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Referat - Hengstenberg-Methode Hausarbeit


Dieses Referat wurde vom Mitglied Chucky1983 veröffenlicht. Pausenhof.de ist für die Inhalte der Veröffentlichungen der Mitglieder nicht verantwortlich.


 „Wir alle kennen diese ursprünglichen Regungen der Kinder, die immer wieder darauf hinauslaufen, allein probieren zu wollen. Wir sollten nur noch mehr darum wissen, dass diese unermüdliche Überwindung von Widerständen aus eigener Initiative dem Kind jene Spannkraft verleiht, die wir ihm zu erhalten wünschen, und dass die Freude an der Auseinandersetzung mit Schwierigkeiten darauf beruht, dass es selbständig beobachten, forschen, probieren und überwinden durfte.“[1]
 
 
Zur Person Elfriede Hengstenbergs
 
Elfriede Hengstenberg wurde am 21. 12. 1892 in Meran in Südtirol geboren. Dort verlebte sie mit ihrem kleinen Bruder eine glückliche Kindheit in den Bergen, in der sie sich viel bewegte. Sie „fanden nichts schöner als immer draußen zu sein.“[2] Noch vor ihrer Einschulung verließ sie mit ihrer Familie die Berge und zog nach Berlin.
Ihre verständnisvollen und liebenden Eltern ließen sie oft gewähren, wodurch sie viele Erfahrungen für die Zukunft machte, wie z. B. das Fotografieren, was sie bereits mit zwölf erlernte und was ihrer Arbeit nachher noch von Nutzen sein würde.
Neben der Schule musizierte sie viel und ihre Klavierlehrerin brachte sie zur rhythmischen Gymnastik, woraus ihr Wunsch entstand, einen Beruf zu erlernen, in dem sie mit Kindern arbeiten konnte, und wo sie mit Freuden dabei sein würde.[3]
Nachdem sie Unterricht bei verschiedenen Musikgymnasten in ganz Deutschland absolvierte,  erhielt sie ihr Gymnastikdiplom und kehrte 1915 nach Berlin zurück. Dort gab sie erst Unterricht in ihrem Elternhaus, später in der Augusta – Schule in Berlin.
Über Carl Ludwig Schleich[4] lernte sie ihre spätere Lehrerin und Freundin Elsa Gindler kennen. Sie besuchte deren Seminare, in denen Gindler gestresste Arbeiterinnen Atemübungen machen ließ, die diese sichtlich beruhigten und entspannten. Aus Gindlers Ideen entwickelte Elfriede Hengstenberg ihre Unterrichtsmethode, die sie nachher nur noch in Privatstunden zu Hause anwandte und darum den Schuldienst verließ.
Vier Jahre später traf sie auf Heinrich Jacoby, der ihr zusammen mit Elsa Gindler beibrachte, wie wichtig die selbständige Entfaltung eines Kindes ist, auch um körperliche Schäden zu therapieren oder gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie arbeitete eng mit Gindler und Jacoby zusammen.
1935 begegnete sie Emmi Pikler (1902 – 1984), die die gleiche pädagogische Grundhaltung hatte wie Elfriede Hengstenberg selbst, aber mit Säuglingen und Kleinkindern arbeitete.
Da Elfriede Hengstenberg schon als Kind musikalisch war und Jacoby Musikpädagoge, spielte in ihren Unterrichtsstunden auch die Musik eine entscheidende Rolle.
Elfriede Hengstenberg starb 1992 im Alter von 100 Jahren.
 
 
Kinder selbständig erfahren lassen
 
1915, als Elfriede Hengstenberg ihren Gymnastikunterricht begann, legte sie vordergründig wert auf „eine gründliche Körperdurchbildung“[5]. Sie versuchte durch Training und Gymnastik, den körperlichen Problemen von Kindern Herr zu werden. So therapierte sie Senkfüße, schiefe Hüften, gekrümmte Wirbelsäulen, mangelhafte Atmung und Haltungsschäden[6].
Zuerst glaubte sie auch einen Erfolg zu erzielen, aber nach einiger Zeit fiel ihr auf, dass die Kinder ihre „Spannkraft“ und „Elastizität“[7] nur in ihren Unterrichtsstunden aufwiesen und sie danach wieder ablegten. In ihrem Buch „Entfaltungen“ schreibt sie: „Solange ich als Lehrende hinter den Kindern stand, ihnen Anregung zu Schwung, Elastizität und Spannkraft gab, übte die Gymnastik ihre segensreiche Wirkung aus: Die Kinder veränderten sich in ihrer Totalität. […] Aber wo blieben Elastizität und Spannkraft, wenn niemand mehr hinter den Kindern stand?“[8] Selbst wenn ihre Schüler ihre Haltungsschäden in der Stunde ablegten und sich wie gesunde Kinder sich bewegten, so fielen sie nach Beendigung der Stunde zurück in ihre alten Bewegungsmuster. Immer wieder fiel ihr auf, dass Kinder aus ihren Gymnastikstunden im Alltag durch die Straßen „latschten“ oder in der Bahn saßen, dass sie ganz erschüttert war.[9] So kam Elfriede Hengstenberg schließlich zu der Erkenntnis, „…dass z. B. schlechte Haltung selten oder kaum von außen korrigiert werden kann.“[10]
Dabei glaubte Elfriede Hengstenberg, dass Kinder von Natur aus über eine gute Haltung und Spannkraft verfügen. Durch ihre Arbeit mit Elsa Gindler und Heinrich Jacoby entwickelte sie den Gedanken, dass z. B. schlechte Haltung ein Ausdruck des Befindens des Kindes ist. „Sie [die schlechte Haltung] ist mit all ihren Symptomen der Ausdruck einer ungünstigen Verhaltensweise des Kindes im physischen wie im psychischen Sinn.“[11]
Das heißt, dass es eine natürliche, motorische Entwicklung eines Kindes gibt, die durch äußere Einflüsse behindert wird.
Die ungarische Kinderärztin Emmi Pikler, die Jahrzehnte lang mit Kindern arbeitete, stellte eine Liste von natürlichen Entwicklungsmerkmalen eines Säuglings vor, auf denen sich die gesamte, folgende körperliche Entwicklung stützt:  
„a) Säuglinge sind im allgemeinen zufrieden, friedlich, heiter und aktiv. Sie haben eine sehr gute Beziehung zu ihren Eltern oder Bezugspersonen sowie zu ihrer Umwelt.
b) Die Bewegungsentwicklung der Kinder ist kontinuierlich.
c) Kindern bereitet jede Phase der Bewegungsentwicklung, die ständige aktive Tätigkeit, das Experimentieren und Üben sichtbare Freude. […] Jede Bewegung, jedes neue Detail, und das gibt es immer, fordert von den Kindern ihre ganze Aufmerksamkeit. An dem charakteristischen Gesichtsausdruck der Kinder während ihrer Versuche kann man sowohl die Intensität dieser Aufmerksamkeit wie auch ihr Interesse und ihre Freude ablesen.
d) Kinder bewegen sich schön und harmonisch, nicht ungeschickt und schwerfällig, wie man im allgemeinen die Bewegungen der Säuglinge beschreibt. Ihre Bewegungen sind in der Regel weich, sicher, gut koordiniert und im Gleichgewicht.“[12]
Also gilt es, diese natürlichen Verhaltensweisen zu unterstützen und das Kind in seine ursprüngliche Entwicklungsrichtung zu fördern.
Erst durch Haltungskorrigierungen durch die Eltern, wie ständiges Aufsetzen oder Hinstellen, durch Ermahnen, wie „Setz dich gerade hin!“ treten Haltungsschäden auf. Aber auch psychischer Stress oder traumatische Erlebnisse können zu nachhaltigen Veränderungen und Schädigungen führen.
„Es war also notwendig, sich nicht nur für die körperliche Entfaltung des Kindes zu interessieren, sondern für seine Gesamtentwicklung: […]“[13]
Das Interesse des Kindes in seiner ursprünglichen Entwicklung ist das selbstständige Entdecken und Erfahren. „Ein Kind, dem man weder bei den  Aufrichteversuchen zum Sitzen oder Stehen, noch bei den ersten Laufversuchen hilft, dem man keine Hand gibt, um es hochzuziehen oder zu stützen, wird von Anfang an selb- sitzig und selb- ständig sein und bleiben.“[14] Hengstenberg geht davon aus, dass die Überwindung von Widerständen, das Selbstständig sein und das Entdecken aus eigener Initiative dem Kind seine Spannkraft und Elastizität verleiht.
Wichtig ist ihr dabei die Selbstständigkeit. Das Kind entscheidet selbst, wie es etwas macht und erkennt damit den effektivsten Weg. Es konzentriert sich auf sein Tun, hat Spaß daran und entwickelt dadurch nicht nur seine Motorik, sondern entdeckt auch Wege, Probleme selbst zu lösen.
Das stellte die Gymnastiklehrerin vor eine weitere Aufgabe. Sie musste einerseits für die Sicherheit und die Beaufsichtigung der Kinder sorgen, auf der anderen Seite ihnen aber auch freie Hand lassen. „Ich lasse die Kinder also grundsätzlich selbständig forschen und entdecken. Ich lasse sie frei experimentieren, aber nicht wahllos tun, was ihnen gerade einfällt.
Ich wähle eine bestimmte Aufgabe, die nach meinem Ermessen für die Kinder notwendig ist, formuliere sie so, dass sie Spaß daran haben, und bereite Gegenstände und Geräte vor, die die Kinder verlocken, damit zu experimentieren“[15], schreibt sie in ihrem Buch. Wichtig ist, dass sie die Kinder alleine ihre Schwierigleiten lösen lässt und sich nicht einmischt. So machen sie ihre eigenen Erfahrungen und Entdeckungen. „Sie kommen bald selbst dahinter, dass einem geglückten Experiment eine sinnvolle Verhaltensweise zu Grunde liegt und umgekehrt.“[16]
Durch Erfolgserlebnisse im Experimentieren entwickeln Kinder Spaß an dem was sie tun und stellt fest, „wie bereitwillig Rumpf und Glieder, Atmung und Stimme reagieren, sobald wir sie im lebendigen Zusammenhang gebrauchen.“[17] Jedes Kind muss selbst ausprobieren um zu einem Ergebnis zu gelangen. Es hilft dem Kind nicht, einfach ein Bewegungsmuster zu kopieren oder nachzuahmen. Entscheidend ist, dass es alle Phasen des selbstständigen Experimentierens durchschritten hat. Es ist nicht effektiv, das Kind zu einer Leistung zu zwingen. „Ihr Organismus ist […] für solche Anforderungen noch nicht vorbereitet und versagt. Die Leistung wird durch Ehrgeiz und Geltungstrieb erzwungen, lässt aber deutlich den Mangel an Qualität erkennen.“[18] Zwänge und Druck verhindern die Entwicklung mehr, als dass sie sie fördern.
Durch das selbständige Herausfinden in Hengstenbergs Gymnastikstunden versuchte sie auch, die Kinder  im realen, alltäglichen Leben zu einem solchen Verhalten zu animieren. Deshalb „übte“ sie mit ihren Schützlingen Alltagssituationen, wie Sitzen in der Schule, Laufen, Schreiben, Essen bei Tisch… Die Kinder sollten sich einer solchen Situation aussetzen und den für sie besten Weg herausfinden. Durch Ausprobieren gelang es ihnen und sie setzten sich mit den Problemen, die sie in den jeweiligen Situationen vorher hatten, auseinander. Dabei fanden sie heraus, warum diese ihnen immer Schwierigkeiten bereitet hatten und wie sie diese beseitigen konnten. Dadurch, dass die Kinder selbst auf ihren Lösungsweg gekommen sind, waren sie dementsprechend begeistert und wandten ihn in ihrem Alltag auch an.
Für die Kinder ist entscheidend, dass ihr Forschen und Erfahren wie ein Spiel funktioniert. Wenn sie keine Lust mehr haben, auszuprobieren, dann hören sie auf oder machen eine Pause.
Nur durch das eigenständige Entscheiden, wie weit die eigenen Kräfte gehen, wie viel es seinem Körper zutrauen kann und wann es eine Grenze erreicht, entsteht ein Körperbewusstsein, dass zur Folge hat, dass das Kind neben neuen Erfahrungen auch eine gesunde Körperhaltung davonträgt. Denn der angenehmste Weg ist meistens auch der gesündeste, man muss ihn nur finden.
 
 
 
Umsetzung in den Gymnastikstunden
 
Zu Elfriede Hengstenberg kamen die unterschiedlichsten Kinder; Jungen und Mädchen mit verschiedensten Leiden.
Um eine grobe Einteilung zu haben, bildete Hengstenberg schulklassenähnliche Gruppen, in denen sie die Kinder nach ihrem Alter einteilte. Die jüngsten, mit denen sie arbeitete, waren drei Jahre alt.[19]
Für jede körperliche Beeinträchtigung ließ sie sich eine spezielle Therapiemöglichkeit einfallen, im Normalfall auch eine eigene für jedes Kind. Da sich die Fälle, die der Bewegungspädagogin unterkamen, aber häuften, konnte sie verschiedene Strategien auch auf mehrere „Patienten“ anwenden. Sie befasste sich mit den Vorlieben der Kinder und entwickelte daraus eine Möglichkeit, dem Kind zu helfen. Denn es war zu beachten, dass es den Schützlingen Spaß machte, zu experimentieren und ihre Haltungsschäden damit auszumerzen, da  sich dann ein viel versprechender Erfolg leichter einstellen kann.
Die Kinder waren immer barfüßig bei ihren Gymnastikstunden, damit der Kontakt zu den Klettergerüsten, den Spielsachen und der Erde gewahrt bliebe. Der nackte Fuß fühlt, was unter ihm geschieht und man kann mit ihm „greifen“, was die in Schuhen steckenden, verwöhnten Füße nicht können. Dadurch bekommt das Laufen, Klettern, Stehen oder Sitzen eine ganz neue Intensität und eine neue Qualität.







Bild 1





Bild 1Begonnen hat Hengstenbergs erste, wirkliche Therapiemethode in der Zeit, als sie durch die Auseinandersetzung mit der Arbeit Elsa Gindlers erstmalig nach echten, wirklichkeitsnahen Bewegungsanlässen für Kinder suchte.[20] Sei behandelte damals drei Jungen mit X-Beinen und Senkfüßen, denen ihre Fußübungen keinen Spaß machten. So erfand Elfriede Hengstenberg das Skifahren neu. Sie gab den Jungen Rundhölzer und schlug den Kindern vor, nicht erst im Urlaub mit dem Skifahren zu beginnen. Diese stellten sich mit jeweils einem Fuß auf ein Rundholz und begannen zu experimentieren. Auf Grund der X-Beine, rutschten sie aber immer von den Hölzern herab. Sie versuchten es hastig  und schnell.
Aber die Kinder gaben nicht auf und „versuchten, ohne Ruck und Druck vorwärts zu gleiten, um den Kontakt mit den Hölzern nicht zu verlieren. Nachdem die Kinder längere Zeit das Aufsteigen, Geradeausfahren und Kurvenlenken geübt hatten, waren sie zu einer „Skitour“ bereit.“[21] Dabei zeigte sich, dass die Hektik, die die Jungen vorher an den Tag legten, mit der sie versuchten, das Skifahren sofort zu können, sie nicht zum Ziel führte. Erst das langsame, tastende Versuchen brachte den Kindern den Erfolg.
Das Skifahren war bei den x-beinigen Kindern ein solcher Erfolg und wurde so begeistert angenommen, dass es „eine der wirksamsten Unternehmungen bei den häufig vorkommenden X-Beinen und Senkfüßen war.“[22]






Bild 1Bei einigen Kindern waren die X-Beine so stark ausgeprägt, dass ihnen das Skifahren fast unmöglich wurde, auch wenn sie es mit Leidenschaft versuchten.  Hengstenberg gewöhnte diese Kinder erst daran, die Beine auseinander zu nehmen, indem sei eine Bahn aus Besenstielen auf den Boden legte, immer zwei nebeneinander, und diese Bahn zum Ende hin breiter werden ließ. Die Kinder sollten dieser Bahn folgen und sich so langsam an das Öffnen der Beine gewöhnen. Hatten sie genügend Vertrauen zu Elfriede Hengstenberg, dann ließ diese ihre so geschädigten Schützlinge auf ihrem Schoß „reiten“, Gesicht zu Gesicht. Auch dadurch spreizten sich die Beine und die Kinder hatten Spaß dabei. Sie wurden sanft gewiegt und wurden dadurch ermuntert, sich aufrecht hinzusetzen. „Freihändig und aufrecht saßen sie dann wie echte Reiter.“[23] Nach dem Reiten wurden die Kinder dann sanft und weich vom Schoß heruntergelassen, so konnte die Umgewöhnung der Beinstellung noch nachwirken. „Ein natürliches Stehen und Gehen konnte seinen Anfang nehmen.“[24]
Oftmals sind die erwachsenen Vorbilder der Kinder Schuld an den Haltungsschäden der Kinder, was ihnen meistens gar nicht bewusst ist. Denn Kinder ahmen das Verhalten und damit auch oft die Haltung von Erwachsenen nach. Zur Zeit Elfriede Hengstenbergs war eines der Hauptprobleme in der kindlichen Haltung das Strammstehen. Viele Eltern, vor allem Väter und Großväter hatten eine lange Militärzeit hinter sich und fühlten sich als Vorgesetzte in ihrer Familie. So gewöhnten sich die Kinder, vor allem Jungen, an die „Halt dich gerade-Positur“[25]: Beine durchgedrückt, Hohlkreuz und Arme nach hinten gestreckt.
„Liegen die Gründe dafür nicht tiefer, so können Kinder eine Angewohnheit dieser Art relativ rasch wieder aufgeben.“[26] Balancieren auf schmalen Brettern, die auf Hocker gelegt werden hilft, die Beine wieder beweglich zu machen und aus dem Hohlkreuz heraus zu kommen.
Balancieren ist ohnehin eine gute Art der Bewegung für Kinder. Es fordert sie und ist spannend. Der Gleichgewichtssinn hält den Kontakt zum Brett, oder worauf das Kind sonst balanciert. Allerdings besteht immer die Gefahr, daneben zu treten und vom Brett zu fallen. Höchste Konzentration ist gefordert und das Kind setzt seinen Körper zielbewusst ein, wobei es die von ihm gewünschte Spannkraft aufweist. Dabei ist es nebensächlich, ob es über die Balancestange krabbelt, geht oder auf dem Bauch kriecht.
Eine solche Therapie dauerte allerdings sehr lange.
In ihrem Buch berichtet Elfriede Hengstenberg von ihren Therapiemethoden nur in Fallbeispielen. Sie erzählt von einzelnen Kindern, wie sie zu ihr in die Gymnastikstunden kamen und wie sie mit ihnen arbeitete. Zur besseren Verdeutlichung werde ich einige dieser Beispiele übernehmen.
Am Beispiel von „Felix“[27] werde ich den Erfolg des Balancierens verdeutlichen: Felix war ein fünfjähriger Junge, der sich das Strammstehen angewöhnt hatte, augenscheinlich abgeschaut von seinem Großvater. Er riss die Arme nach hinten und drückte die Beine durch (Bild 2)






Bild 2





Bild 3





Bild 3





Bild 2Durch das Balancieren hatte sein Körper nicht mehr die Möglichkeit, sich in diese Haltung zu begeben. „Bei jedem Schritt auf der schmalen Basis muss[te] er sich neu orientieren.“[28] Seine ganze Körperhaltung änderte sich: Die Beine wurden wieder beweglich und die angespannten Bewegungen wieder fließend und elastisch (Bild 3). Für Felix ist auch krabbeln und kriechen eine gute Möglichkeit, die durchgedrückten Kniegelenke wieder zu beugen.[29]
Häufig setzte Elfriede Hengstenberg auch Hocker ein,  um die Kinder zum Experimentieren anzuregen. Sie stellte jedem Kind zwei davon zur Verfügung und diese konnten sie dann stapeln oder nebeneinander stellen. Ihre Aufgabe bestand darin, durch die Hocker hindurch zu kriechen oder darüber zu klettern.
Sinn dieser Übung war, bewusst einen Weg durch das Gewirr von Sitzflächen, Stuhlbeinen und Verstrebungen zu finden. Die Kinder sollten merken, dass es sinnvoll ist, sich mit Aufmerksamkeit etwas zu widmen, sich darauf zu konzentrieren. Dadurch kamen sie zur Ruhe und waren bereiter,





Bild 2im Alltag auch bewusster an ihre Aufgaben heranzugehen.
Zum Ende der Stunde oder auch zwischendurch ließ Elfriede Hengstenberg Ruhephasen einfließen. Sie animierte die Kinder zum Ausruhen, indem sie die Pause als Herausforderung verkaufte. Auch fügte sie kleine Aufgaben hinzu, wie einen Ball auf der Nasenwurzel zu balancieren. Dadurch lagen die Kinder ruhiger und vor allem gerade auf dem Rücken. Außerdem lagen die Kinder in dem Moment bewusst und konzentrierten sich auf das Liegen. Ausklingen ließ sie das Ausruhen, indem ein Kind leise herumging und die anderen durch Antippen weckte.
Nach einer solchen Pause, die meistens nicht lang war, waren die Kinder erfrischt und weniger aufgekratzt. Dadurch, dass sie leise „geweckt“ wurden, hielt die Stille in ihnen noch vor und „Hast, Aufregung und Angeberei waren verschwunden.“[30]
Besonders unerreichbare Kinder, die nicht zur Ruhe kamen und wie wild herumtobten, stellte Hengstenberg vor eine spezielle Herausforderung, wie in ihrem Beispiel von „Walter“. „Walter tobte in der ersten Stunde herum wie ein kleiner Besessener, warf sich auf den Teppich, stieß Stühle und Kinder um […]“[31] Er versuchte die ganze Stunde hindurch, Hengstenbergs Aufmerksamkeit durch Tobsuchtsanfälle auf sich zu lenken. Sie aber ging nicht darauf ein.
Als er in der nächsten Stunde als erster da war und wieder randalierte, sah sich die Pädagogin erst ruhig sein Treiben an und schlug ihm dann vor, die Hocker aus dem Keller zu holen. Walter holte die Hocker und reagierte so seine überzähligen Kräfte ab. Als die anderen Kinder da waren, erzählte er ihnen voller Stolz, dass er alle Hocker alleine geholt hatte.
Mit den Hockern spielten die Kinder „Durchkriechen und Drüberklettern“. Elfriede Hengstenberg ließ Walter seine Aufgaben besonders bewusst werden, denn sie fragte ihn nach dem Klettern, wie er denn durch die Hocker gekrabbelt sei und wollte sich seinen ersten Versuch anschauen. Dieser konnte sich aber nicht an die Reihenfolge erinnern.
Als er und die anderen Kinder es noch mal versuchten, ließen sie sich mehr Zeit und gingen bewusster an die Aufgabe heran. Diesmal konnte sich auch Walter an die Reihenfolge erinnern und er freute sich sehr darüber. Er hatte festgestellt, dass sich Probleme mit Ruhe und Entspanntheit leichter lösen lassen. Er hatte es selbst herausgefunden und dadurch hatte sich diese Vorgehensweise bei ihm gefestigt. „Das bewies er auch in den Stunden der folgenden Wochen.“[32]
Der Grund, warum er so wild und wüst war, war ein häufiges Familienproblem: er hatte einen kleinen Bruder, der mehr Aufmerksamkeit bekam als er selbst. Um auf sich aufmerksam zu machen, bekam er diese Wutanfälle, denn nur dann beachteten seine Eltern und größeren Geschwister ihn.
Es gab aber auch Kinder, die genau das Gegenteil von Walter waren. Still, introvertiert und bewegungsscheu. Oftmals waren sie schwer krank, bevor sie in die Gymnastikstunden kamen. Daher rührten auch meistens die Haltungsschwierigkeiten. Hengstenberg versuchte, diesen Kindern die Bewegungsscheue zu nehmen. Sie animierte die Kinder erst zu einfachen Bewegungsspielen, dann dazu, über sich hinauszuwachsen. Fand sie heraus, was für ein Spiel dem Kind Spaß machte, erfand sie Varianten, die sie ihm vorschlug. Die Kinder überwanden dann meistens ganz von alleine ihre Scheu und ihre Angst. Sie stellten fest, dass Bewegung angenehm ist und ihnen gut tut.






Bild 4





Bild 4Ein Beispiel für ein solches kränkliches Kind ist „Peter“. Er kam mit seiner Schulklasse regelmäßig zur  Gymnastikstunde. Er wurde oft von Ohnmachtsanfällen heimgesucht. Sobald er sich in einer Situation befand, die für ihn unangenehm wurde, verkrampfte er und wurde ganz steif. Beim Balancieren über eine Reihe Hocker, die mit den Füßen nach oben deuten, einer Übung, die nicht leicht ist, aber von den Füßen aus den ganzen Körper belebt, trat dies wieder ein (Bild 4) und er ließ sich von einer Klassenkameradin helfen.






Bild 4Seine Mutter bat Elfriede Hengstenberg, ihm zusätzlich zu den Schulklassenbesuchen auch noch Einzelstunden zu geben. Sie nahm aber auch Mutterunterricht bei der Pädagogin, denn die Unselbständigkeit Peters ging von ihr aus. So wurde Peter zu mehr Selbständigkeit herangeführt, konnte alleine einkaufen gehen, wurde von seiner Mutter nicht mehr von allen Straßen weggezerrt und wenn er einen Ohnmächtigkeitsanfall bekam, half ihm ein Mitschüler, mit dem Elfriede Hengstenberg vorher geübt hatte, wie man sich in einer solchen Situation verhält und wie man die Ohnmacht verhindern kann. In den





Bild 5Gymnastikstunden lernte er durch selbständiges Erproben, sich neuen Situationen zu stellen und nicht vor allem Angst zu haben. Dadurch verkrampfte er auch nicht mehr. Wenn ein Experiment, wie das Balancieren über die Hockerreihe glückte, stärkte das sein Selbstvertrauen. Nach zwei Jahren im Gymnastikunterricht war er ein gelöstes und freies Kind und Ohnmachtsanfälle kamen fast nicht mehr vor.[33]
Kinder mit einem runden Rücken waren häufig in den Unterrichtsstunden Elfriede Hengstenbergs. Ihr Problem war die Schlaffheit beim Sitzen. Durch zusammengesunkenes Sitzen wird der Raum, den die Lunge zum atmen braucht, reduziert und verengt. „Unabhängig davon, ob sich Erschöpfung, Entmutigung, Niedergeschlagenheit, [!] oder Langeweile in dieser Erschlaffung ausdrücken, kann sie ernste Schäden für Herz und Lunge nach sich ziehen.“[34] Deshalb versuchte Hengstenberg auch dem beizukommen. Sie gab den Kindern Schmetterlingsnetze und warfen dann Bälle in die Höhe, die sie mit den Netzen aus der Luft fangen sollten. Dabei streckte sich der Körper.
Beim Sitzen schlug sie den Kindern vor, die Hände einfach auf die Beine zu legen. Dadurch erlangt man fast automatisch eine grade Sitzhaltung. Liegen die Hände zwischen den Beine oder daneben, dann ziehen sie durch ihr Gewicht auch den Körper nach unten.
Im Liegen verwendete Hengstenberg während der Ruhephasen oft das Spiel mit dem Ball und der Nasenwurzel. Aber auch wenn die Kinder nicht ruhten, gab es Experimente, die die Kinder im Liegen machten. Ein beliebtes Spiel war das „Rückenschwimmen“ auf glattem Fußboden. „Die Kinder legten sich auf den Rücken, die Arme so neben dem Kopf, dass auch die Ellenbogen auflagen und stießen sich abwechselnd mit den Füßen ab. Wenn daraus eine flüssige, schlängelnde Bewegung wurde, entspannten sich die Schultergelenke, und die leichte seitliche Schwingung der Wirbelsäule belebte den Atem auch in den Flanken.“[35]






Bild 5





Bild 5





Bild 5Ein Beispielfall für schlechtes Sitzen ist der Junge „Jochen“, der zu Elfriede Hengstenberg kam, weil er schlecht schrieb. Sie arbeitete mit ihm alleine ohne Gruppe und schon in der ersten Stunde fiel ihr auf, dass das Kind deshalb so schlecht schrieb, weil es schlecht saß. Es saß zusammengekauert, gequetscht, unglücklich und in sich zusammengezogen da....


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