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Referat - Arbeitslosigkeit


Dieses Referat wurde vom Mitglied oOPLAYABLNOo veröffenlicht. Pausenhof.de ist für die Inhalte der Veröffentlichungen der Mitglieder nicht verantwortlich.


Facharbeit
aus dem Leistungskurs Wirtschafts- und Rechtslehre




 
Gliederung:


Titelseite 1
Gliederung 2

1. Einleitung 3

2. Arten der Arbeitslosigkeit 3
2.1. Allgemeines 3
2.2. Subjektive Arbeitslosigkeit 3
2.3. Objektive Arbeitslosigkeit 4
2.4. Beschäftigungsgrade 5

3. Erwerbs- und Arbeitslosenquote 6
3.1. Begriffe und Ermittlung der Zahlen 6
3.2. Arbeitslosigkeit seit 1946 7

4. Der Arbeitsmarkt im 1. Halbjahr 1996 8
4.1. Januar 1996 9
4.2. Februar 1996 10
4.3. März 1996 11
4.4. April 1996 11
4.5. Mai 1996 12
4.6. Juni 1996 13
4.7. Zusammenfassung 13

5. Auswirkungen 14
5.1. ..auf den Einzelnen 14
5.2. ..auf die Betriebswirtschaft 15
5.3. ..auf die Volkswirtschaft 15

6. Maßnahmen gegen die Arbeitslosigkeit 16
6.1. Allgemeine Maßnahmen 16
6.2 Die Bundesanstalt für Arbeit 18

7. Schlußfolgerung 19

Literaturverzeichnis 20
Erklärung über selbständiges Erarbeiten der Facharbeit 21
1. Einleitung:
Während des Wirtschaftswunders in den 50er und 60er Jahren kaum beachtet und heute eines der meist diskutierten Probleme Deutschlands ist die ARBEITSLOSIGKEIT zu einem der wichtigsten Anliegen der Deutschen geworden. In einer Umfrage des ZDF-Politbarometers nannten im Januar 1996 mehr als 80% der Befragten dies als Ihre größte Sorge.
Zugleich ist Arbeitslosigkeit aber auch die primäre Ursache für viele andere Probleme, die uns heutzutage in Deutschland begegnen. Sinkende Steuereinnahmen, sinkende Einnahmen der Sozialversicherungen und gleichzeitig höhere Ausgaben für die Arbeitslosen.
Die Facharbeit soll einen Überblick über das Thema Arbeitslosigkeit geben und dabei sowohl theoretische Aspekte, wie z.B. Arten der Arbeitslosigkeit aufzählen, als auch auf die tatsächliche Entwicklung des Marktes eingehen und speziell auf den Zeitraum von Januar bis Juni 1996. Des weiteren sollen Lösungsansätze aufgezeigt werden, die zur Beseitigung der momentan sehr hohen Erwerbslosigkeit führen können.



2. Arten der Arbeitslosigkeit:

2.1. Allgemeines:
Die Ursachen für Arbeitslosigkeit sind sehr vielfältig begründet, so daß man auch verschiedene Arten differenzieren muß. Im folgenden soll ein Überblick gegeben werden. Da es weder eine einheitliche Definition, noch eine eindeutige Gliederung gibt, findet man in der einschlägigen Literatur unterschiedliche Ansätze.


2.2. Subjektive Arbeitslosigkeit:
Darunter versteht man zum einen die persönlich verschuldete Tatsache keine Anstellung zu haben. Gründe hierfür liegen allein beim Arbeitnehmer, z. B. Verstoß gegen Firmenregelungen, Unehrlichkeit oder starke Unzuverlässigkeit.
Aber auch persönlich unverschuldete Begebenheiten können zum Verlust des Arbeitsplatzes führen. Einen solchen Anlaß kann z. B. eine Erkrankung sein, die zur Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit führt.
Da in beiden Fällen einzelne Individuen verantwortlich sind, spricht man auch von unechter Arbeitslosigkeit.

2.3. Objektive Arbeitslosigkeit:
Im Gegensatz zur Subjektiven bezeichnet man die objektive Arbeitslosigkeit auch als echte Arbeitslosigkeit, denn sie schließt Faktoren ein, die nicht im Ermessen des einzelnen Arbeitnehmers liegen. Man unterscheidet daher:

Saisonale Arbeitslosigkeit ist durch die jahreszeitlichen Umstände begründet, die aller zwölf Monate wiederkehren. In einigen Wirtschaftszweigen kommt es zu bestimmten Zeiten zu Einschränkungen. Im Winter herrscht beispielsweise in der Bauindustrie Flaute, da physikalische Eigenschaften von Baustoffen bestimmte Arbeiten bei Minus-Temperaturen verhindern. Zwar kann es auch im Sommer z. B. bei Skilehrern oder Skiliftbetreibern zu saisonaler Arbeitslosigkeit kommen, doch überwiegt die im Winter bei weitem.

Friktionelle- oder Fluktuationsarbeitslosigkeit tritt auf, wenn ein Arbeitnehmer zur Zeit der Erhebung der amtlichen Statistik gerade seinen Arbeitsplatz wechselt. Auch nach Abschluß einer Ausbildung oder Umschulung kann friktionelle Arbeitslosigkeit auftreten, bis ein Arbeitsplatz gefunden ist. Sie dauert daher normalerweise nur wenige Wochen an.

Konjunkturelle Arbeitslosigkeit tritt auf, wenn durch eine kurzfristig abgeschwächte Konjunktur, also durch einen Nachfragerückgang, Arbeitskräfte entlassen werden. Ein besonderes Merkmal ist dabei, daß alle Wirtschaftszweige betroffen sind, was Massenarbeitslosigkeit zur Folge haben kann. Ein extremes Exempel dafür ist die Weltwirtschaftskrise von 1932, bei der die Arbeitslosigkeit auf über 30% angestiegen war.

Strukturelle Arbeitslosigkeit liegt im Unterschied zur saisonal oder konjunkturell bedingter Arbeitslosigkeit bei Veränderungen langfristiger Art zugrunde. Im Laufe der Jahre verlieren einige Wirtschaftsbereiche an Bedeutung oder verschwinden fast ganz, während jedoch auch Neue entstehen. Auch können Regionen an Attraktivität verlieren. Da jedoch bei dieser Art von Arbeitslosigkeit nur einzelne Wirtschaftsbereiche oder Regionen betroffen sind, besteht die Gefahr von Massenarbeitslosigkeit nicht so stark. Die Ursachen sind sehr verschiedenartig. Die Nachfrageverlagerung von Kohle zu Erdöl und Gas, sowie die niedrigen Weltmarktpreise für Importkohle haben zum Beispiel die Kohlekrise ausgelöst und zu hoher Erwerbslosigkeit in den entsprechenden Gebieten geführt. Aber auch der technische Fortschritt, Billigimporte und politische Ereignisse tragen zur strukturellen Arbeitslosigkeit in Deutschland bei.

Technologische Arbeitslosigkeit ist eng mit struktureller Arbeitslosigkeit gekoppelt. Sie entsteht, wenn durch den technischen Fortschritt Arbeitskräfte entlassen werden. Dies kann sowohl durch Automation, als auch durch neuartige Produktionsverfahren zustande kommen. Ein Beispiel wäre die Einführung des mechanischen Webstuhls, die zu großen sozialen Konflikten in der Geschichte geführt hat. Der Vorteil Arbeitskräfte durch Maschinen zu ersetzten liegt auf der Hand. Sie sind belastbarer und genauer in durchzuführenden mechanischen Arbeitsprozessen. Hinzu kommt, daß große Teile der Bevölkerung in Deutschland skeptisch bis ablehnend gegenüber neuen Technologien, vor allem Gen- und Kerntechnik, eingestellt sind. Dies führt zu einer Verlagerung von Arbeitsplätzen ins Ausland und läßt somit technologische Arbeitslosigkeit in Deutschland entstehen.

Versteckte bzw. Verdeckte Arbeitslosigkeit beruht auf der Tatsache, daß Bürger, die zwar arbeitswillig sind, sich aber, z. B. wegen momentan ungünstig eingeschätzter Vermittlungschancen, gar nicht erst als arbeitssuchend bei den Arbeitsämtern registrieren lassen. Diese "stille Reserve" wird in der Arbeitslosenstatistik nicht erfaßt. Als verdeckt Arbeitslos gelten aber auch Menschen, die sich in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Umschulungen der Bundesanstalt für Arbeit befinden.


2.4. Beschäftigungsgrade:
In der Volkswirtschaftslehre unterscheidet man grundsätzlich drei Beschäftigungsgrade. Je nach Land schwankt jedoch die Bemessungsgrenze für die Einteilung.

Vollbeschäftigung: Dieser Beschäftigungsgrad ist in der deutschen Volkwirtschaft als einer der vier Ziele des Stabilitätsgesetzes von 1967 festgesetzt. Im Idealfall liegt Vollbeschäftigung dann vor, wenn alle Arbeitswilligen und Arbeitsfähigen einen Arbeitsplatz haben, also wenn es keine Arbeitslosen gibt. In der Realität ist dies kaum möglich, da es z. B. einen bestimmen Prozentsatz gibt, der zum Zeitpunkt der Erhebung der Statistik gerade einen Berufswechsel vollzieht (friktionelle Arbeitslosigkeit). Auch gibt es etliche Personen, die arbeitslos registriert sind um Anspruch auf entsprechende Sozialleistungen zu haben, jedoch konsequent nicht arbeiten wollen. Daher spricht man in unserer Volkwirtschaft bei einer Arbeitslosenquote bis maximal 2,0% noch von Vollbeschäftigung.


Überbeschäftigung: Bei einem Fallen der Arbeitslosenquote unter 0,7% liegt nicht Vollbeschäftigung, sondern eine sogenannte Überbeschäftigung vor, d. h. das volkswirtschaftliche Arbeitskräftepotential ist nahezu ausgeschöpft.

Arbeitslosigkeit: Steigt die Arbeitslosenquote über 2,0%, so ist Arbeitslosigkeit vorhanden, d. h. es gibt ein Überangebot an Arbeitskräften. Das Arbeitskräftepotential wird also nicht optimal ausgenutzt.



3. Erwerbs- und Arbeitslosenquote:

3.1. Begriffe und Ermittlung der Zahlen:
Erwerbspersonen sind alle Menschen, abzüglich der Nichterwerbspersonen (Kinder, Schüler, Rentner, nicht berufstätige Hausfrauen usw.). D. h. alle Personen die aktiv im Berufsleben stehen oder vorübergehend arbeitslos, aber dennoch arbeitsfähig und arbeitswillig sind.
Der Quotient von Erwerbspersonen und Wohnbevölkerung gibt an, wieviel Prozent der Gesamtbevölkerung Arbeitsleistung erbringen kann.

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Arbeitslose im Sinne der amtlichen Statistik sind nur Personen, die arbeitsfähig und auch beim Arbeitsamt als arbeitssuchend registriert sind.
Es ist Wichtig zu unterscheiden zwischen der Arbeitslosenquote bezogen auf abhängige Erwerbspersonen und bezogen auf alle Erwerbspersonen. In Zeitungen und Büchern finden sich Quoten, die entweder nach der einen oder anderen Formel ausgerechnet worden sind:

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3.2. Arbeitslosigkeit seit 1946:
Grafik 1[1]:
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Die Entwicklung der Arbeitslosenquote in Deutschland stand nach dem zweiten Weltkrieg im Zeichen des "Wirtschaftswunders". Viele Faktoren wirkten zusammen, so daß sich die Wirtschaft vom Zusammenbruch 1945 sehr rasch erholte und ebenso die Arbeitslosigkeit leicht zurückging. Zwar stieg die Quote Anfang 1950 nochmals auf 11%, nahm dann aber stetig ab, bis Ende der 50er Jahre sogar Vollbeschäftigung zu herrschen begann, Unterbrochen nur durch eine Rezession Mitte der 60er Jahre. Strukturkrisen im Bergbau und in der Bauindustrie, aber auch konjunkturelle Faktoren führten zum Anstieg der Quote, die aber rasch wieder auf Vollbeschäftigungsniveau zurückging. Hierfür sind wiederum verstärkte Auslandsnachfrage und ein Investitionsboom verantwortlich.
Ab 1973 ist wiederum ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit zu beobachten und 1975 klettert die Zahl auf über eine Millionen Erwerbslose. Nach leichter Erholung in den folgenden Jahren erhöhte sich die Zahl 1983 auf über 2 Millionen. Entsprechend den Verläufen der Konjunkturzyklen sank die Quote in den Folgejahren zwar, jedoch nicht wieder auf das Niveau der 70er Jahre. Die Wiedervereinigung Deutschlands leitete nach einiger Zeitverzögerung eine Phase extrem hoher Arbeitslosigkeit, vor allem im Osten ein, die bis heute anhält.



4. Der Arbeitsmarkt im 1. Halbjahr 1996:
Die folgenden Grafiken[2] geben einen Überblick über die Entwicklung am Arbeitsmarkt in den Monaten Januar bis Juni `96. Nachfolgend wird ausführlich zur Grafik und zum Fortgang am Arbeitsmarkt Stellung genommen:

Grafik 2:
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Grafik 3:
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Grafik 4:

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Grafik 5:
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4.1. Januar 1996:
Nachdem Anfang Februar die neuesten Zahlen der Arbeitslosenstatistik für den Vormonat veröffentlicht worden sind, geisterten beunruhigende Überschriften durch die Presse. "Über vier Millionen ohne Arbeit" hieß es da beispielsweise im Handelsblatt.
Dies ist gleichzeitig ein neuer negativer Nachkriegsrekord in Deutschland. Der absolute Wert lag bei 4,159 Millionen Arbeitslosen, entsprechend 10,8%, gemessen an der Zahl aller zivilen Erwerbspersonen. Die Zahl der Kurzarbeiter hat im Januar sehr stark zugenommen und war mit 293900 deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Die Arbeitslosigkeit Älterer hat sich ebenso erhöht. Über 0,8 Millionen Arbeitslose, 112000 mehr als vor einem Jahr, sind über 55Jahre alt. Das entspricht einem Anteil von 20%. Leider sind diese ohnehin schon erschütternden Zahlen nur die "halbe Wahrheit". Mehr als eine Million weitere Menschen wurden nur, dank unseres Sozialstaates, durch Arbeitsförderungsmaßnahmen, wie z. B. Umschulungen und ABM-Stellen vor der Arbeitslosigkeit bewahrt.
Der enorme Anstieg läßt sich zum großen Teil durch die Kältewelle begründen, die verstärkt zur saisonalen Arbeitslosigkeit, vor allem auf dem Baugewerbe, geführt hat.
Angesichts der negativen Entwicklung appellierte der Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, Bernhard Jagoda, das Bündnis für Arbeit zum Erfolg zu verhelfen. Dabei handelt es sich um ein von der Bundesregierung vorgeschlagenes Programm, daß Investitionen fördern und die Beschäftigung erhöhen soll.


4.2. Februar 1996:
Auch im Februar hat sich der Arbeitsmarkt in Deutschland weiter dramatisch verschlechtert. Nachdem schon im Januar die Zahl der erwerbslosen Personen auf ein neues Nachkriegsniveau kletterte, stieg sie im Februar um 0,3% auf nunmehr 11,1%. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Anstieg um über einen Prozentpunkt. Erheblich zu der Entwicklung trug die Baubranche bei. Die Beschäftigung in diesem Sektor lag im Winter 95/96 im Westen knapp 4% niedriger als noch ein Jahr zuvor. Aber auch die derzeit gedämpfte allgemeine Konjunkturlage in Deutschland ist mitverantwortlich.
Zwar erhöhte sich die Zahl der offenen Stellen im Februar leicht, doch ging die Zahl der Vermittlungen durch das Arbeitsamt binnen Jahresfrist um 6% zurück. Dramatisch stieg im gleichen Zeitraum die Zahl der Kurzarbeiter um 64% auf mehr als 0.4 Millionen an. 1,5 Millionen Menschen wurden nur durch arbeitsmarktpolitische Maßnahmen des Staates vor der Beschäftigungslosigkeit bewahrt.
Politiker, führende Gewerkschafter und Arbeitgeber machten sich erneut gegenseitige Schuldzuweisungen über die Ursachen der Arbeitsmarktzahlen und Auswege. So wurde beispielsweise kritisiert, daß über eine Millionen Nicht-EU-Bürger eine Arbeitserlaubnis in Deutschland erhielten. Die Ausländerbeauftragte der Bundesregierung, Schmalz-Jacobsen, wies dies jedoch mit der Begründung zurück, daß eine Arbeitserlaubnis nur ausgestellt werde, wenn kein deutscher Arbeitnehmer für den jeweiligen Arbeitsplatz zur Verfügung stehe. Im Hinblick auf die auch schon 1995 angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt, ist dies jedoch nur schwer nachzuvollziehen.
Arbeitgeber wiesen den Gewerkschaften die Schuld zu, da deren Forderungen nach 5-6% mehr Lohn ohne Rücksicht auf Arbeitsplätze geschehe. Gewerkschafter verteidigten ihre Politik und forderten die Regierung auf, geplante staatliche Investitionen nicht zu streichen.
Die äußerst negativen Zahlen vom Arbeitsmarkt sollten allerdings viel mehr zum Anlaß genommen werden, auf "gegenseitige Schuldzuweisungen zu verzichten und endlich Nägel mit Köpfen zu machen"[3].


4.3. März 1996:
Erwartungsgemäß setzte im März die Frühjahrsbelebung ein. Diese war aber wegen der kalten Witterung nur schwach ausgeprägt. Der Rückgang sei ausschließlich auf jahreszeitliche Gründe zurückzuführen. Jagoda sprach allgemein von einer enttäuschenden Entwicklung. Die Zahl der Arbeitslosen reduzierte sich um knapp 130000 auf 4,14 Millionen. Dies entspricht einer Quote von 10,8 bezogen auf alle Erwerbspersonen. Im Vergleich zum Vorjahr, liegt diese Zahl über 1% oder 0,47 Millionen höher. Die Kurzarbeit wurde nur noch geringfügig ausgeweitet und liegt bei 420000.
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) appellierte erneut an Politiker und Arbeitgeber endlich zu Handeln. Die Deutsche Angestellten Gewerkschaft wertete die immer noch dramatische Arbeitslosenzahl als Ausdruck einer gravierenden Konjunkturschwäche und forderte daher eine Senkung der Leitzinsen, um die Wirtschaft anzukurbeln.
Weiterhin schlecht sieht es auf dem Ausbildungsstellenmarkt aus. Von Oktober 1995 bis März 1996 lag die Zahl der Ausbildungsplätze im Westen mit 413100 um 8% niedriger als im Vorjahreszeitraum. Andererseits ist die Zahl der Bewerber um 7% gestiegen. Eine ähnliche Entwicklung wurde auch im Osten verzeichnet. Jagoda appellierte erneut an die Wirtschaft ihre Zusage, 1997 10% mehr Ausbildungsplätze bereitzustellen, zu realisieren.


4.4. April 1996:
Erstmals in diesem Jahr ist die Zahl der Erwerbslosen wieder unter die vier Millionen Marke gefallen. Der Rückgang auf 3,97 Millionen entspricht einer Quote von 10,4%, im Vorjahr lag sie in diesem Zeitraum jedoch mit 9,4% deutlich niedriger. Die Kurzarbeiterzahl verminderte sich im April auf 390400, nachdem sie in den letzten Monaten stetig bis auf über 0,42 Millionen gestiegen war. Diese Rückgänge sind allerdings nur saisonal begründet, da z. B. in Angestellten-Berufen, die weniger von den saisonalen Schwankungen beeinflußt werden, ein weiterer Anstieg zu verzeichnen war.
Der sehr kalte Winter und konjunkturelle Einflüsse waren auch im April noch für sehr hohe Zugänge in die Arbeitslosigkeit verantwortlich (521900, +18% zum Vorjahr). Außergewöhnlich hoch waren überdies die Abgänge aus Arbeitslosigkeit mit fast 0,7 Millionen und die Stellenmeldungen und -vermittlungen. Diese Zahlen lassen sich allerdings nicht als konjunkturelle Impulse interpretieren, sondern sie spiegeln die nachgeholte Frühjahrsbelebung wider.[4]
Der DGB wies auf die Tatsache hin, daß trotz guter Ertragslage der Unternehmen keine zusätzlichen Arbeitsplätze geschaffen würden, obwohl die Unternehmen dies behaupteten. Es besteht weiterhin akuter Handlungsbedarf, um die Arbeitslosigkeit zu senken.


4.5. Mai 1996:
Im Mai ging die Arbeitslosenzahl saisonbedingt weiter leicht zurück und liegt nun bei 3,18 Millionen. Dies entspricht einer Quote von genau 10% (-0,4% im Vergleich zum Vormonat). Dämpfend hat sich die schlechte Auftragslage am Bau ausgewirkt und andere Bereiche in Mitleidenschaft gezogen. Zwar ging auch die Kurzarbeit zurück, diese lag jedoch noch sichtlich über dem Vorjahresniveau.
Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist aber keineswegs bei allen Personengruppen gleich. Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich bei Arbeitern im Verlauf der letzten 12 Monate mit +10% im Westen eindeutig stärker als bei Angestellten mit +7%. Der Grund hierfür liegt nach Meinung Jagodas in der "schwachen Tendenz im Produzierenden Gewerbe". Bei den Frauen ist dagegen ein geringerer Anstieg als bei Männern zu verzeichnen gewesen. Der Grund hierfür...


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