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Beitrag von groeib

24.09.2006 15:12:33

groeib

Profilbild von groeib ...

Themenstarter
groeib hat das Thema eröffnet...

Ich weiss nicht, ob das jemand lesen will, ist wohl zu lang...
aber ich stells trotzdem mal rein. nen kleinen monolog.
_________________________

Vierzehn Jahre ist es her. Seit vierzehn Jahren sitze ich nun in diesem Gottverdammten Loch. Vierzehn Jahre warten, nachdenken, verzweifeln. Wieso? Wieso bin ich an jenem Morgen überhaupt aufgestanden? Wieso habe ich nicht einfach meinen Rausch ausgeschlafen, wie ich das so oft getan habe, um den folgenden Abend direkt wieder mit Alkohol zu begiessen?
Nein, diesmal nicht. Schwankend habe ich mich an jenem Morgen aus dem Bett gekämpft, die aufkommende Übelkeit heruntergewürgt, meinen nach Rum und Bier riechenden Atem mit einer Zigarette überdeckt und die Fenster weit aufgerissen. Es war mal wieder eine dieser Nächte, die zu vergessen einem besonders leicht fielen. Mandy hatte Spätschicht in diesem Nachtclub. Sie tanzte dort mit Leidenschaft. Und das Geld, das dadurch hereinkam, benötigten wir beide. Und schliesslich tanzte sie dort nur. Mein Vertrauen in sie war grösser als die Eifersucht, die mich jeden Abend plagte. Trotzdem fand ich keinen anderen Weg, meine Abende zu geniessen, als mich in den schäbigen Hinterhofbars dem Alkohol hinzugeben. Früher war ich oft mit Sam, dem Automechaniker und Roger, dem Koch Billiard oder Bowling spielen. Natürlich war auch da Alkohol im Spiel, aber immerhin war ich nicht alleine und nahm auch mal ein Billiardqueue in die Hand. Nun hatte ich nur noch das Bier, an dem ich mich festhalten konnte. Seit Roger von diesem Jeep angefahren worden war, hatten unsere gemeinsamen Abende aufgehört. Roger lag nach wie vor mit einer doppelten Schienbeinfraktur, den gebrochenen Rippen 7, 8 und 9 und einer Lungenembolie im Krankenhaus. Von Sam hatte ich seit Wochen nichts mehr gehört.
Und nun sah ich ihn. Ich wusste nicht, wie ich es geschafft hatte, doch ich hatte mich die vier Blocks bis zu Mandys Wohnung durchgekämpft. Ich hatte Sehnsucht nach ihr, nach ihrem Körper, nach dem Geruch ihrer Haare, wenn sie sich frisch geduscht wieder ins Bett legte, nach ihrem ängstlichen Blick, der sich breit machte, wenn ich die Haustür öffnete und sich allmählich in ein Lächeln verwandelte, wenn sie erkannte, dass ich es war, der eintrat.
Heute lockerte sich Mandys ängstlicher Blick nicht auf, im Gegenteil. Der Blick, ihre ganze Körperhaltung war ein einziger Hilferuf. Panik machte sich in ihr breit.
Und nun sah ich ihn. Sam. Neben Mandy. Im Bett. Nackt.
Von diesem Moment an sind meine Gedanken nicht mehr in ein Raster zu fassen, was ich zu diesem Zeitpunkt, dachte, fühlte, ja tat, lag ausserhalb meiner Kontrolle.
Im nachhinein jedenfalls konnte ich herausfinden, dass Sam den Lauf meiner Beretta M9 küsste und Mandy sich sicherlich gewünscht hatte, ihren eigenen Tod ebenfalls so schnell erleben zu dürfen. Ihr Schädel war zersplittert, weichgeklopft von hunderten von Schlägen an die Zimmerwand, deren Verputz sich allmählich rot färbte und sich von der Mauer löste.
Ich weiss, wie es sich anfühlt. Ich durfte es erleben. Wieder und wieder bin ich gegen die Wand meiner Zelle gerannt. Die Keramikplatten begannen, Risse zu bilden und zersprangen eine nach der Anderen, bis ich in die Gummizelle verlegt wurde. Damit ich mich nicht umbringe, wie mir die Wärter mitteilten. Verdammt, ich bin in der Todeszelle. Was spielt es für eine Rolle, ob ich mich nun umbringe oder später sterbe? Besonders grausame Vorgehensweise, das hatte man mir unterstellt. Absolut unberechenbarer Jähzorn, ausufernd in bestialische Kaltblütigkeit. Klingt gut, wie ich finde. Stolz darauf bin ich aber nicht.
Zu meinem Selbstschutz lag ich nun also da, in meinem Bernsteinzimmer aus weissen Matratzen, am Boden, an den Wänden, ja sogar an der Decke. Umbringen konnte ich mich nun nicht mehr. Wollte ich auch gar nicht, hatte ich nie im Sinn. Ich wollte nur fühlen, wie Mandy sich fühlen musste, wollte ihre Qualen miterleben, wollte mich auf diese Weise entschuldigen. Es tut mir leid, Mandy.

Nun ist endlich ein Datum für die Vollstreckung meiner Hinrichtung festgelegt. 4. Juli. Independence Day. Der Tag der Unabhängigkeit. Der Tag der Erlösung.
Ich warte schon so lange darauf, diese Welt endlich verlassen zu dürfen. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mich umzubringen, aber als mir die Möglichkeit genommen wurde, mich selbst zu töten, fehlte mir etwas. Ich verspürte plötzlich das grosse Bedürftnis, diese Welt zu verlassen. Ich wollte selbst entscheiden, wann es soweit wäre. Ich wollte nicht, dass irgend ein Richter entscheiden würde, wann und wie ich zu sterben hätte.
Nun sollte es also doch so enden. Immerhin durfte ich entscheiden, wie ich sterben möchte und was ich vorher essen wollte. Ich war mir das nicht gewöhnt. Vierzehn Jahre lang musste ich an nichts denken, mich um nichts kümmern. Jede Entscheidung war mir abgenommen worden, ohne gefragt zu werden, und nun, zwei Tage vor meinem Tod, musste ich plötzlich entscheiden. Entscheiden, wie ich sterben sollte. Grausame Ironie.
Ich hatte Mühe, mich zu entscheiden.
Elektrischer Stuhl? Ich wusste, dass ich sofort tot sein würde, dennoch graute mir vor dem Gedanken, Zehntausend Volt durch meinen Körper geschossen zu bekommen.
Tödliche Spritze? Dies wäre sicherlich die friedlichste Variante. Aber ich bin kein gottverdammter Junkie und das ist das einzige in Meinem Leben, worauf ich noch stolz sein darf. In einer von Drogen und Abstürzen überwucherten Gegend aufzuwachsen und sich selbst nie einen Schuss gesetzt zu haben. Das war lobenswert, wie ich fand. Und das sollte sich bis zu meinem Tod auch nicht ändern. Da liess ich mir doch lieber einen anderen Schuss setzen. Einen, der Hand und Fuss hatte. Ich wünschte mir den Tod durch meine Beretta, wie ihn Sam erleben durfte. Schnell. Heftig. Gnädig.
Für meine Henkersmahlzeit hatte ich mich schneller entschieden. Spareribs mit Pommes und viel Ketchup, wie ich sie in alten Zeiten in Rogers kleinem Hintergassenrestaurant fast täglich genossen hatte. Es schmeckte himmlisch. Genau wie früher, jedenfalls glaubte ich das, nach vierzehn Jahren kannte ich den Geschmack nicht mehr. Ich bildete mir jedenfalls ein, es wäre wie früher. Ich verschlang die üppig bemessene Portion Fleisch und knabberte, glücklich wie seit einer Dekade nicht mehr, genüsslich an meinen Fries. Auch der Kaffee nach dem Hauptgang schmeckte wie früher, bei Roger. Dachte ich. Ich nahm ihn schwarz. Ohne Zucker, ohne Rahm. Wie immer. Er schmeckte köstlich. Bitter. Ich mochte den bitteren Geschmack, den Geschmack vollendet gerösteter Kaffeemischung aus Brasilien. Ein hauch Exotik umgab mich ein letztes Mal in meinem Leben, bevor mir bewusst wurde, dass der Kaffee zu bitter war. Meine Zunge brannte, in meinem Kopf glühte es, mir blieb der Speichel im Rachen kleben. Danke, Roger. Ich wurde müde, todmüde, konnte nicht mehr atmen. Mein Kopf fiel in den Nacken, wo ich meinen Letzten Atemzug wahrnehmen konnte, bevor alles ruhig um mich herum wurde. Danke Roger. Wann ich sterbe, entscheide noch immer ich. Ich ganz alleine. Mandy, ich komme.

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Beitrag von Alcedo

24.09.2006 15:20:02

Alcedo

Alcedo hat kein Profilbild...

Naja, soo toll is es jetzt nich...
Ausser die Passage bei Mandy xD

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Beitrag von groeib

24.09.2006 15:21:39

groeib

Profilbild von groeib ...

Themenstarter
groeib hat das Thema eröffnet...

Danke zumindest für die Geduld

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Beitrag von Alcedo

24.09.2006 15:23:11

Alcedo

Alcedo hat kein Profilbild...

Wenns weiter nichts is... und schlecht isses ja auch nich^^

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Beitrag von kurdupel1986

24.09.2006 15:24:32

kurdupel1986

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wer hat das geschrieben?

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Beitrag von groeib

24.09.2006 15:26:05

groeib

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Themenstarter
groeib hat das Thema eröffnet...

das hab ich heute morgen aufgekrizzelt...

ich hab davon geträumt, der traum hat mich nicht losgelassen, bis ich das zeug aufgeschrieben hatte.

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Beitrag von kurdupel1986

24.09.2006 15:28:05

kurdupel1986

Profilbild von kurdupel1986 ...

kennste ne Mandy, nen Roger und nen Sam?

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Beitrag von Alcedo

24.09.2006 15:28:53

Alcedo

Alcedo hat kein Profilbild...

hoffen wir mal, dass du nie ne Freundin haben wirst, die dir fremd geht^^

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Beitrag von groeib

24.09.2006 15:28:56

groeib

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Themenstarter
groeib hat das Thema eröffnet...

ne^^

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Beitrag von kurdupel1986

24.09.2006 15:30:03

kurdupel1986

Profilbild von kurdupel1986 ...

das is glaube auch gut so =)

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Beitrag von groeib

24.09.2006 15:32:46

groeib

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Themenstarter
groeib hat das Thema eröffnet...

wie gesagt.. die story hat überhaupt nichts mit mir zu tun. so fällt es mir leichter, mich in die Lage einer anderen Person zu versetzen...
Ich glaub ich wär halb so schlimm, wenn mich meine Freundin betrügen würde ^^

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