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Buddhismus WICHTIG

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Beitrag von Tinschen___

21.11.2005 16:57:08

Tinschen___

Profilbild von Tinschen___ ...

Themenstarter
Tinschen___ hat das Thema eröffnet...

hey ihr,

ich muss ein referat halten bin auch ziemlich fertig damit nur fehlt mir noch eine sache ich find da bei google nix un bei wikipedia auch ned...
wär nett wenn ihr mir helfen könntet...

was mir noch fehlt sind die Verschiedenen Formen des Buddhismus...

lg TInschen

danke schonmal

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Beitrag von the.heroine

21.11.2005 16:58:49

the.heroine

Profilbild von the.heroine ...

Buddhismus in Asien: Das Rad der Lehre
Eine der einflussreichsten religiösen und philosophischen Lehren Indiens, der Buddhismus, von demBuddha Shakyamuni im 5.Jahrhunderts v.Chr. begründet, ging aus der Tradition der Shramana (= Wanderasketen) hervor. Während der ersten Jahrhunderte seiner Geschichte breitete sich der Buddhismus in ganz Indien und ab dem 3.Jahrhundert auch in anderen Teilen Asiens aus. Dies führte dazu, dass sich die frühe Form des Buddhismus, das Hinayana (= Kleines Fahrzeug) oder Shravakayana (= Fahrzeug der Schüler), das im Kapitel über das Leben und die Lehre des Buddha beschrieben wird, veränderte. Auch im Sangha, der Gemeinschaft der Ordensmitglieder und Laienanhänger, traten auseinander strebende Tendenzen auf. Manche Mönche stellten die Verbindlichkeit des alten Kanons infrage und fügten neue Texte hinzu, andere vertraten eine großzügigere Auslegung der Ordensregeln. Außerdem wurden in der Interpretation der Lehre erhebliche Meinungsunterschiede sichtbar. Schließlich strebten vor allem die Laienanhänger danach, die gleichen religiösen Rechte wie die Mönche zu erhalten, deren Privilegien sie als übertrieben betrachteten.
So bildete sich kurz vor der christlichen Zeitrechnung eine neue Form des Buddhismus heraus. Ihre Anhänger nannten sie das Mahayana (= Große Fahrzeug) oder auch das Bodhisattvayana (= Fahrzeug der Erleuchtungswesen oder Fahrzeug der zukünftigen Buddhas). Das Mahayana unterscheidet sich vom Hinayana durch die Betonung anderer Aspekte der Lehre: Während das Hinayana ein »wahres Sein« der Phänomene leugnet und metaphysische Behauptungen vermeidet, lehrt das Mahayana ein ewiges Absolutes. Dieses Absolute ist nicht transzendent, sondern etwas dem Geburtenkreislauf Innewohnendes; es kann in allen Daseinselementen erkannt werden, indem man ihre Leere erkennt. Im Mahayana wird der Buddha zu einem übernatürlichen Wesen, dessen Wirken über die Grenzen eines irdischen Daseins hinausreicht; er ist eine Verkörperung des höchsten Seins. Zudem gibt es eine Vielzahl von Buddhas: Der historische Buddha wird im Mahayana als eine Projektion des Absoluten interpretiert. Er ist identisch mit dem Absoluten und in seinem vergänglichen menschlichen Körper nur eine Illusion. Die volkstümliche Bewegung der Bhakti (= gläubigen Hingabe) an den Buddha und die Erflehung der Wiedergeburt im Paradies eines Buddha hängen eng mit dieser neuen Buddha-Vorstellung zusammen. Im Hinayana dagegen wird der Buddha nur als hervorragender Mensch und Lehrer, wenn auch meistens als eine Art Übermensch, angesehen und Erlösung kann nur durch eigenes Bemühen erlangt werden. Das Mahayana dagegen sieht Hilfe von außen als möglich an, lehrt sogar die Übertragung von Verdiensten, die man durch gute Taten erworben hat, auf andere Personen und zerbricht somit die strenge Kausalitätskette von Ursache und Wirkung, wie sie der Lehre des Hinayana entspricht.
Das Ziel des Anhängers des Hinayana ist es, seine persönliche Erlösung, das Nirvana, zu erreichen; die Anhänger des Mahayana erstreben dagegen zunächst die Bodhisattvaschaft, um alle Lebewesen zur Erlösung zu führen. Für sie ist die eigene Erlösung erst von zweitrangiger Bedeutung. Dies setzt einen Wandel in der Erlösungslehre voraus. Nach der Auffassung des Hinayana hatte der Buddha mit seiner Lehre den Weg gezeigt, auf dem jeder Mensch für sich selbst die Erlösung aus dem Geburtenkreislauf findet. Nun galt es als höchstes Ziel, auf die eigene Erlösung, das heißt auf die Erleuchtung, zu verzichten, durch die man ins Nirvana eingehen würde, aber in dieser Welt nicht mehr wirken könnte. Ein Bodhisattva verharrt weiter im Geburtenkreislauf, um möglichst viele andere Wesen zur Erleuchtung zu führen. An die Stelle des Ideals des Arhat, des Heiligen, tritt das Ideal des Bodhisattva, des Erleuchtungswesens, des zukünftigen Buddha, der durch seinen tugendhaften und selbstlos aufopfernden Lebenswandel während vieler früherer Existenzen die Erleuchtung erlangen könnte, aber aus allumfassendem Mitleid vor dem Buddha das Gelübde leistet, erst dann die Buddhaschaft und das Nirvana zu verwirklichen, wenn alle Lebewesen erlöst sind. Die Verkörperung dieses Mitleids ist der Bodhisattva Avalokiteshvara, der in Tibet als Tschenresi und in China und Japan als die weibliche Guanyin oder Kannon verehrt wird.
Der Idee, allen Wesen die Erlösung zu bringen, liegt die Lehre von der oben erwähnten Übertragung der Verdienste zugrunde. Nach den Lehren des Hinayana erleidet jedes Individuum in den verschiedenen Wiedergeburten die Frucht seiner eigenen Taten. Es wird immer wieder betont, dass die eigenen Taten einen Menschen durch alle Existenzen verfolgen und ihre Folgen auch nur von jedem selbst erduldet werden müssen. Bei dem Bodhisattva-Gelübde verspricht nun der Bodhisattva, seinen Verdienst der Erleuchtung aller Wesen zugute kommen zu lassen und mithilfe des Verdienstes seiner Taten das Leiden aller Lebewesen zu lindern, ohne den geringsten Vorteil für sich selbst zu erwarten; sein Streben gilt allein der Erlösung aller Lebewesen, die somit der letzten Stufe seiner geistigen Entwicklung gleichkommt. Das Nirvana wird im Hinayana als der Sieg über den Geburtenkreislauf und der endgültige Austritt aus der Welt angesehen. Im Mahayana ist das Nirvana die Erkenntnis der Einheit des Ichs mit dem Absoluten hier in der Welt, verbunden mit dem Wirken für die anderen
Eine wichtige Neuerung des Mahayana gegenüber dem Hinayana ist die Bedeutung, die dem Laienanhänger beigemessen wird. Während es nach den Lehren des Hinayana für einen Laien ungeheuer schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist, zu einem Heiligen zu werden, steht die im Mahahyana vorgesehene Laufbahn eines Bodhisattva auch dem Laien offen, ja sogar noch eher als einem Mönch. Die Lehrschriften des Mahayana sind deshalb nicht mehr an Mönche gerichtet, sondern an Bodhisattvas, Heilige und »junge gesittete Männer und Frauen«. Die Haupttugend eines Bodhisattva, ob als Laie oder Mönch, ist nicht mehr die Einhaltung der Ordensdisziplin, sondern sein Mitleid und seine Nächstenliebe. Das Hinayana ist heute noch im Theravada-Buddhismus in Sri Lanka, Birma, Thailand, Laos und Kambodscha verbreitet, das Mahayana in China, Korea und Japan sowie in Tibet.
Eine dritte Form des Buddhismus ist das Tantrayana (= das Fahrzeug der tantrischen Texte) oder Vajrayana (=das Diamant-Fahrzeug), ein System esoterischer Lehren. Diese Spätform des indischen Buddhismus entwickelte sich seit dem 2.Jahrhundert aus dem Mahayana und erlebte ab dem 6.Jahrhundert eine gewisse Blüte. Das Tantrayana gelangte nach Tibet, China und Japan und lebt heute noch im tibetischen Buddhismus weiter. Seine Anhänger versuchen, mithilfe von Ritualen und sakralen Akten übernatürliche Wirkungen zu erzielen sowie durch Überwindung der »niederen Triebe« den Kontakt mit dem Transzendenten herzustellen.
Die frühe Ausbreitung des Buddhismus war auf das Gebiet beschränkt, das der Buddha durchwanderte, als er seine Lehre verkündete. Dieses von den Buddhisten als Madhyadesha (= Mittelland) verehrte Kerngebiet ihrer Religion erstreckte sich vom Lumbini-Hain (heute Rummindei im Terai, in Nepal), dem Geburtsort des Buddha, im Norden bis Bodh Gaya, dem Ort der Erleuchtung, im Süden; von Rajgir (Bihar) im Osten bis nach Prayaga, dem heutigen Allahabad, im Westen. Nach dem Tod des Buddha (nach buddhistischer Sicht sein Übergang in den Zustand der Erleuchtung) erhoben die Bewohner von acht Orten aus dem erwähnten Gebiet Anspruch auf Reliquien und errichteten über ihnen je einen Stupa. Diese acht Stupas wurden zusammen mit dem Geburts- und dem Sterbeort des Buddha zu den ersten heiligen Stätten des Buddhismus, denen auch die Könige Verehrung zollten. Der mächtige Maurya-Herrscher Ashoka machte im 3. Jahrhundert v. Chr. ausgedehnte Wallfahrten zu all diesen Stätten und ließ dort zum Gedenken Säulen mit Inschriften aufstellen. Solche Säulen oder Felsinschriften befinden sich auch an anderen bedeutsamen Orten und an den Grenzen seines Reiches. Neben autobiographischen Daten teilte Ashoka in diesen oft mehrsprachig gehaltenen Inschriften programmatisch seine Ansichten über das ethisch und politisch richtige Verhalten sowie buddhistische Lehren mit. Außerdem ließ er in seinem Reich, etwa im heutigen Pandschab und Pakistan, weitere Stupas zur Verehrung des Buddha errichten. Einer von ihnen, ein einfacher Erdhügel in Nepal, ist bis heute erhalten geblieben.
Unter den Maurya-Herrschern (330150 v.Chr.) konnte sich der Buddhismus ungehindert in den Norden und Süden ausbreiten. Ashoka, dessen Reich fast den gesamten Kontinent umfasste, soll die von ihm so geförderte Lehre zur Staatsreligion gemacht und eine Reform des Sangha (= der Ordensgemeinschaft) durchgeführt haben, mit der das Zusammenwirken von Staat und buddhistischem Orden straff organisiert wurde. Der König verpflichtete sich, bei Streitigkeiten im Sangha reformierend einzugreifen. Dies entsprach der buddhistischen Idealvorstellung eines Universalherrschers, der zugleich ein Bodhisattva, ein zukünftiger Buddha, ist.
Diese Blütezeit des Buddhismus in Indien dauerte bis zur Mitte des ersten Jahrtausends n.Chr. Danach setzte ein allmählicher Niedergang ein, der mit der Zerstörung der Klöster und Klosteruniversitäten im 12. und 13.Jahrhundert durch die eindringenden Muslime seinen Abschluss fand.
In seinen Riten besonders denen des Tantrayana näherte sich der Buddhismus den Riten des damaligen Hinduismus an. Im 9.Jahrhundert setzte eine hinduistische Gegenbewegung ein; buddhistische Ideen wurden übernommen und umgeformt. Der Buddha wurde als neunte Inkarnation des Gottes Vishnu in das hinduistische Pantheon aufgenommen, und gleichzeitig wurde die vedische und brahmanische Philosophie durch große Philosophen wie Shankara wieder belebt.
Der Niedergang des buddhistischen Mönchtums hatte zwei Ursachen: Die Mönche hatten jeglichen missionarischen Eifer verloren; sie gingen nicht mehr zum Bettelgang, sondern wurden vom König unterhalten oder lebten von den Erträgen des Klosterbesitzes. Sie kümmerten sich nur noch um ihre eigenen Studien und verloren dadurch den Kontakt zur übrigen Bevölkerung. Dazu kamen Verfolgungen durch hinduistische Könige, die das Brahmanentum favorisierten. Die erste Verfolgung fand schon unter dem Brahmanen-König Pushyamitra aus der Shunga-Dynastie (187151 v.Chr.) statt. Endgültig ausgelöscht aber wurde der Buddhismus in Indien durch die Ausbreitung des Islam im 12.Jahrhundert und die Islamisierung der Herrscherhäuser. Damit wurde den Klöstern die materielle Grundlage entzogen und der Buddhismus verschwand aus seinem Ursprungsland.
Doch ließen einzelne Herrscher dem Buddhismus weiterhin Schutz angedeihen, sodass er schnelle und weite Verbreitung über den ganzen Kontinent und in anderen Teilen Asiens fand. Ashoka sandte als erster Herrscher Missionare in fremde Länder. Sein Sohn Mahinda soll auf diese Weise den Theravada-Buddhismus, den Buddhismus der »Ordensälteren«, um 250 v.Chr. nach Ceylon (Sri Lanka) gebracht haben. Devanampiya Tissa, der damalige König von Ceylon, wurde Buddhist und errichtete in Anuradhapura das Kloster Mahavihara, das lange Zeit das Zentrum des orthodoxen Theravada-Buddhismus blieb. Daneben waren Abhayagirivihara und Jetavanavihara die bedeutendsten Klöster. Sie alle rivalisierten zeitweise heftig untereinander, und vor allem das Kloster Jetavanavihara stand unter dem Einfluss indischer Schulen des Mahayana und Tantrayana. Im 12.Jahrhundert berief König ParakkamabahuI. eine Synode ein, die die verschiedenen Schulen des Buddhismus in Ceylon zwang, die Lehren des Klosters Mahavihara anzuerkennen. Auch in der Folgezeit griffen die Könige immer wieder ein, um den Buddhismus erneut zu stärken, und riefen Mönche aus Birma und Thailand herbei, um den Sangha zu reformieren.
Auch nach Birma soll der Buddhismus zur Zeit Ashokas gelangt sein; doch nach einer anderen Überlieferung brachten ihn zwei Kaufleute schon zu Lebzeiten des Buddha dorthin. Von ihnen mitgebrachte Haare Buddhas werden noch heute in der Shwedagon-Pagode in Rangun aufbewahrt. Neben zwei Hinayana-Schulen war in Birma auch das Mahayana und später das Tantrayana vertreten, doch im 11.Jahrhundert wurde von König Anaratha das ganze Land zum Theravada bekehrt. Seit dem 15.Jahrhundert gilt die Lehre des ceylonesischen Mahavihara als verbindlich. Von Birma aus verbreitete sich im 6.Jahrhundert der Buddhismus weiter nach Thailand, und seit dem 13.Jahrhundert ist auch dort der Theravada-Buddhismus die Staatsreligion.
Der Lieblingsschüler des Buddhas, Ananda, soll bereits fünfzig Jahre nach dessen Tod in Gandhara im heutigen Pakistan lehrend gewirkt haben. Die Verbreitung buddhistischer Anschauungen im Nordosten erfuhr im 1.Jahrhundert v.Chr. bis zum 3.Jahrhundert n.Chr. unter den Kushana-Herrschern eine weitere Blütezeit; deren Reich erstreckte sich von ihrem Kernland Baktrien, im heutigen Afghanistan nach Norden über Tadschikistan bis Uzbekistan und im Süden nach Nordwestindien. Die Überreste der Stupas, Tempel und Klöster (etwa die von Taxila und Hadda und die der Höhlenklöster von Bamiyan) zeugen noch heute von der Bedeutung, die der Buddhismus damals in diesem Gebiet hatte.
Nach chinesischer Überlieferung soll der Buddhismus schon im Jahre 2 n.Chr. aus Zentralasien nach China gelangt sein; er wurde dort als eine fremdländische Form des Taoismus angesehen. Seit dem 2.Jahrhundert wurden zahlreiche buddhistische Schriften aus den indischen Sprachen ins Chinesische übertragen, in der frühen Zeit meist von Mönchen, die aus dem Westen kamen.
Vom 6. bis zum 10.Jahrhundert entstanden die großen Schulen des chinesischen Buddhismus, wie etwa die Chan-Schule, die in Japan bis heute als Zen-Schule verbreitet ist. Von China aus erreichten buddhistische Anschauungen Korea und im 6.Jahrhundert auch Japan. In diesen Ländern entwickelte sich der Buddhismus unter dem Einfluss und der Übernahme örtlicher religiöser und kultureller Strömungen zu eigenständigen Ausprägungen, die auch heute noch große Bedeutung haben.
Nach Tibet gelangte der Buddhismus im 7.Jahrhundert.. Eine Besonderheit der tibetischen Ausprägung ist die Verbindung der Ordensregeln der Hinayana-Schule mit den rituellen Methoden des Tantrismus, einer mystischen Variante. In der Mitte des 9.Jahrhundert endete diese erste Verbreitung mit einer politisch motivierten Verfolgung; erst im 11.Jahrhundert wurde die buddhistische Lehre in Tibet wieder belebt. Es bildeten sich verschiedene Schulen; diese wurden von großen »Lehrern« (sanskrit: Guru, tibetisch: Lama) und ihren persönlichen Schülern mit jeweils eigener Lehrtradition gegründet. Einer dieser Lehrer zu Beginn der zweiten Ausbreitung buddhistischer Anschauungen war der von der indischen Klosteruniversität Vikramashila kommende Atisha, der die Schule der Kadampa begründete; diese wiederum beeinflussten maßgeblich die Gelugpa, die reformierte Schule des Tsongkhapa. Sie legte besonderen Wert auf die Einhaltung der Mönchsregeln und widmete sich dem Studium autoritativer Texte und der buddhistischen Lehrmeinungen. Das Oberhaupt dieser Schule ist der Dalai Lama. Milarepa (= Mila, der Baumwollbekleidete) schließlich, der berühmteste Heilige und Asket Tibets, der durch die Entfaltung seiner magischen Kräfte viele Wunder vollbrachte, gilt als Begründer einer weiteren spezifisch tibetischen Ausprägung der buddhistischen Lehre, der Kagyüpa.
Bis heute ist die verzweigte Lehre des Buddha Grundlage einer der verbreitetsten religiösen Anschauungen in Asien; die Toleranz gegenüber anderen Religionen macht es möglich, dass Buddhisten gleichzeitig auch anderen Glaubensgemeinschaften angehören können. Dementsprechend ist die heutige Anhängerschaft schwer zu beziffern, Schätzungen schwanken zwischen 150 und 500 Millionen Menschen; und auch in der westlichen Welt hat die »sanfte Lehre« in jüngerer Zeit Anhänger gefunden.
Dr. Siglinde Dietz

Literatur:
Batchelor, Stephen: Der große Tibet-Führer. Mit einem Vorwort des Dalai Lama. Aus dem Englischen. Neuausgabe Innsbruck 1993. Conze, Edward: Der Buddhismus. Wesen und Entwicklung. Stuttgart u. a. 101995. Kunst des Buddhismus entlang der Seidenstraße. Eine Ausstellung der Stadt Rosenheim und des Staatlichen Museums für Völkerkunde München, in Zusammenarbeit mit der Dresdner Bank, Beiträge von Günter Grönbold u. a. München 1992.
© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Buddhismus in China
Die Übernahme des indischen Buddhismus in China erfolgte in verschiedenen Phasen. Fast ein Jahrtausend wirkte er in China, bis die schweren Verfolgungen des buddhistischen Mönchswesens und die Zerstörungen und Säkularisierungen der Statuen und Klöster im 9.Jahrhundert n.Chr. zahlreiche Traditionen unterbrachen und gleichzeitig die Islamisierung Zentralasiens und Nordindiens die beiden Kulturkreise China und Indien voneinander abschnitt. In den darauf folgenden Jahrhunderten dominierten die Schulen chinesischer Prägung. Trotz der fremden Herkunft, die dem traditionsverhafteten China stets bewusst blieb, konnte der Buddhismus in allen Gesellschaftsschichten Einzug finden und trug zu einer Veränderung des gesamten kulturellen Spektrums bei.
Die erste Ankunft des Buddhismus in China lieferte den Stoff für zahlreiche Legenden. Aus historischer Sicht wurde mit der Ausweitung des Einflussbereichs des chinesischen Kaiserreichs bis nach Zentralasien hinein unter Kaiser WuWu in der frühen Han-Zeit (140 bis 86 v.Chr.) die Grundlage für einen Kontakt mit der indischen Religion geschaffen. Das erste Dokument für einen Nachweis buddhistischer Tätigkeit in China stammt jedoch erst aus dem Jahr 65 n.Chr. In der Zeit der späten Han-Dynastie (25 bis 220 n.Chr.) war der Buddhismus im Wesentlichen unter den fremdländischen Händlern verbreitet. Sein latent wachsender Einfluss lässt sich in den sich formierenden daoistischen Gemeinwesen Ende der Han-Zeit erkennen. Die ersten Übersetzungen buddhistischer Texte ins Chinesische hatten Ordensvorschriften, Atemtechniken, Heilpraktiken und Meditationsanleitungen zum Inhalt. Man versuchte, der Fremdheit der indischen Lehre mit einer Einordnung in die eigene chinesische Tradition zu begegnen, indem man Buddha zu einem Jünger von Laozi erklärte.
Eine Auseinandersetzung mit den spekulativen Gedanken des Buddhismus- der Erlösung, dem Kreislauf der Wiedergeburt, der Substanzlosigkeit alles Seienden-, die dem chinesischen Denken fremd waren, erfolgte erst im 3. und 4.Jahrhundert n.Chr., als mit der Zivilisierung Zentralasiens entlang der Seidenstraße in den daran angrenzenden Ländern große buddhistische Zentren entstanden, die die Brückenfunktion von Indien zu China verstärkten und einen konstanten Austausch ermöglichten. Die bekanntesten buddhistischen Missionare dieser Zeit stammten aus Ländern wie Parthien und Sogdien, was in den chinesischen Quellen an ihren Familiennamen zu erkennen ist. Mit dem Verlust des chinesischen Kernlands im Norden an Fremdvölker kam es zu unterschiedlichen Entwicklungen in den südlichen und nördlichen Reichen. Die Fremdvölker im Norden sahen im Buddhismus eine Alternative zu den rein chinesischen Lehren, die den intellektuellen Bedürfnissen des Staates gerecht werden konnte. Hier ging aus dem Buddhismus eine mächtige Kirche hervor. Im Süden fand die buddhistische Lehre Eingang in den Häusern und Gesprächszirkeln des gebildeten Landadels, der, fasziniert von seiner intellektuellen Klarheit dieser Lehre, den Buddhismus als Mäzen zu fördern begann. Mit der Einigung des chinesischen Reiches im 6.Jahrhundert n.Chr. lösten sich die unterschiedlichen Organisationsformen auf.
Aus der Sicht der buddhistischen Philosophiegeschichte stellte die Zeit des Mönches Kumarajiva und des von ihm geleiteten enormen Projektes der Übersetzung von 35 wichtigen Sanskrittexten ins Chinesische zu Beginn des 5.Jahrhunderts n.Chr. eine neue Phase in der Übernahme des Buddhismus dar. Mit der wachsenden Bedeutung des spekulativen Buddhismus ergab sich die Notwendigkeit, sich von der bisher praktizierten Übersetzungstechnik, Anleihen an Termini der chinesischen Philosophie zu machen, abzuwenden, um die Unterscheidung zu den daoistischen und konfuzianischen Lehren deutlich zu machen und das Verständnis der buddhistischen Lehre nicht zu verstellen. Die Kenntnis verschiedener buddhistischer Schulrichtungen und ihrer grundlegenden Texte führte auch in China zu einer Aufsplitterung in Sekten. Dabei dominierten die Lehren des Großen Fahrzeugs, Mahayana (chinesisch: Da sheng), das eine Erlösung durch die Gnade Buddhas predigte, das Bodhisattvatum verehrte und in seinen Lehren die Immanenz Buddhas im Menschen vertrat, über die Lehren des Kleinen Fahrzeugs, Hinayana (chinesisch: Xiao sheng), das die Transzendenz beibehielt und eine Erlösung allein durch eigene Anstrengung lehrte. Der Verlust zahlreicher buddhistischer Werke und Übersetzungen in den Wirren des ausgehenden 6.Jahrhunderts führte unter der Sui-Dynastie (590 bis 617) zu einer Sammlung und Sichtung der Texte und zu einer Systematisierung der verschiedenen Lehren, was sich als ein wesentlicher Schritt im Sinisierungsprozess des Buddhismus erwies.
Die Reichseinigung der Sui im 6.Jahrhundert läutete das Ende der bis dahin sehr unabhängigen Stellung der buddhistischen Klöster ein. In der sich anschließenden Tang-Dynastie (618 bis 907) war der Buddhismus von staatlicher Förderung abhängig, zeigte jedoch intellektuell und auf dem Gebiet der Kunst und Literatur seine größte Entfaltung. In kurzer Abfolge blühten und verblassten verschiedene Schulrichtungen und spekulative Systeme. Die bekanntesten sind die kontemplativ ausgerichtete Tiantai-Schule, die sich auf das Lotossutra stützte und die Erlösung aller Wesen betonte, die Huayan-Schule, die das Avatamsakasutra als Textgrundlage hatte und eine monistische All-Einheits-Lehre verkündete, die idealistische Wei-shi-Schule (Yogacara) und der esoterische Tantrismus (Mi chiao), in dessen Ritual magische Traditionen einflossen und der eine Erlösung im hiesigen Leben anstrebte. Während die sinisierten Systeme Tiantai und Huayan im Meditationsbuddhismus (chan, eine phonetische Übersetzung des Sanskrit-Begriffes »dhyana« = mystische Versenkung) weitergelehrt und die Rituale des Tantrismus in den Volksreligionen aufgenommen wurden, geriet die Yogacara-Lehre in Vergessenheit.
Der rasche Niedergang der tangbuddhistischen Schulen zeigt, wie wenig diese in der chinesischen Gesellschaft Fuß gefasst haben. Es war zwei anderen Schulen vorbehalten, den Buddhismus über die Tang-Zeit und die Phase der Übernahme der Lehren aus Indien hinaus in China zu vertreten: dem Meditationsbuddhismus (chan) und der eschatologischen Lehre des Reinen Landes (jingtu). Beiden Richtungen ist die Abkehr vom Studium der schriftlichen Tradition des Buddhismus als Voraussetzung zur Erleuchtung gemeinsam. Der Chan-Buddhismus zeigte- zumindest in seinen Anfängen- eine grundsätzliche Abneigung gegen Schriftlichkeit jeglicher Art und konzentrierte sich allein auf die Praxis. Die notwendige sprachliche Formulierung der Lehre des Chan-Buddhismus, die eine Vielzahl von Paradoxa und Bildern beinhaltet, war dem philosophischen Daoismus entliehen. Nach der Lehre der Schule des Reinen Landes, die eine strenge Gläubigkeit predigte, war eine Erlösung schon mit der Anrufung des Namens des Buddha Amitabha, der über das Paradies des Reinen Landes regierte, möglich. Beide Richtungen konnten auch außerhalb des Klosterwesens von Laien praktiziert zu werden.
Zweihundert Jahre nach den Verfolgungen hatte sich der Buddhismus erholt und erneut ein großes Klosterwesen aufgebaut. Anders als in der Tang-Dynastie war das geistige Klima unter den Beamten am Hof in der Song-Zeit im Wesentlichen vom Konfuzianismus bestimmt, wenn auch die Klöster ihre Funktion als Zentren der Gelehrsamkeit beibehielten. Der Einfluss des Buddhismus auf den im Lauf der Song-Dynastie (960 bis 1279) immer stärker werdenden Neokonfuzianismus, der seine Basis in den kulturellen Zentren außerhalb der Hauptstadt besaß, ist deutlich zu erkennen. Für viele in den konfuzianischen Schriften ausgebildete Beamtengelehrten waren Konfuzianismus und Buddhismus durchaus vereinbar, das konfuzianische Ethos verband sich mit der buddhistischen Meditationspraxis. In der Ming-Zeit (1368 bis 1643) verwischten sich die Grenzen zwischen dem Meditationsbuddhismus und den idealistischen Zweigen des Neokonfuzianismus ganz. Die buddhistische Lehre erlebte eine Verweltlichung und ging in Volksreligionen auf. Einer der populärsten Götter dieser Religionen wurde der Bodhisattva Avalokiteshvara (chinesisch: Guanyin pusa), der seit der Tang-Zeit auf Bildern und Statuen mit femininen Zügen ausgestattet wurde und im chinesischen Buddhismus eine der Verehrung Marias im Katholizismus vergleichbare Stellung einnahm. Die messianische Lehre von der Wiederkunft des Buddhas Maitreya findet sich in abgewandelter Form in Lehren von Geheimgesellschaften und in Ideologien von Volksbewegungen wieder. Damit verschob sich in der Ming-Zeit das Gewicht des Buddhismus immer mehr vom Klerus auf das Laientum.
Erst mit dem Ende der Qing-Dynastie (1644 bis 1911) und dem offensichtlichen Unvermögen des Konfuzianismus, den neuen aus dem Westen stammenden Lehren ein geistiges Gegengewicht zu bieten, erlebte die buddhistische Lehre eine intellektuelle Wiederentdeckung. Mit dem unter japanischer Hilfeleistung zu Beginn des 20.Jahrhunderts gegründeten buddhistischen Zentrum in Nanjing sind viele herausragende moderne Denker verbunden. Eine Renaissance erlebte vor allem der Yogacara-Buddhismus wegen seiner analytischen Erkenntnistheorie, die man als dem chinesischen Denken fremd betrachtete. Während die Wiederbelebung des philosophischen Buddhismus auf die Intelligenz Chinas einen großen Einfluss ausübte, war es doch eher der volkstümliche Buddhismus, der die kommunistische Regierung dazu bewog, die buddhistische Lehre in China nicht zu bekämpfen, sondern mit der Gründung der buddhistischen Studiengesellschaft in kontrolliertem Maß zu fördern.
Dr. Dennis Schilling

Literatur:
Schmidt-Glintzer, Helwig: Geschichte der chinesischen Literatur. Die 3000jährige Entwicklung der poetischen, erzählenden und philosophisch-religiösen Literatur Chinas von den Anfängen bis zur Gegenwart. Bern u. a. 1990.
© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Lamaismus
der (tibetischer Buddhismus), die im 8.Jahrhundert in Tibet entstandene, daneben heute in Bhutan, Nepal, der Himalajaregion Indiens (Sikkim, Arunachal Pradesh, Ladakh), der Mongolei, Nordchina (Innere Mongolei) und Russland (Burjatien, Kalmückien, Tuwinien) verbreitete Form des Buddhismus. In seinen indischen Spätformen (Mahajana, Vadjrajana) um 632 in Tibet eingeführt, verschmolz er mit der Bon-Religion, der ursprünglichen tibetischen Religion. Aus ihr übernahm er den Dämonen- und Zauberglauben. Der Lamaismus ist eine Mönchsreligion, Grundlage der religiösen Praxis der Tantrismus, Zentrum der Lehre die Vorstellung vom Seienden als trügerische Illusion (»Leerheit« . In der vollkommenen Erkenntnis dieser Wahrheit liegt die Erlösung, die stufenweise durch Meditation, Yoga und ein kompliziertes System von (magischen) Ritualen erreicht wird. Typisch ist die unaufhörliche Rezitation magischer Formeln, die auch durch das Drehen der Gebetsmühlen und das Aufstellen von Gebetsfahnen erfolgen kann. Die obersten Geistlichen des Lamaismus gelten als Verkörperungen des Bodhisattva Avalokiteshvara (Dalai-Lama) und des Buddha Amitabha (Pantschen-Lama). Die Kanonisierung der heiligen Schriften des Lamaismus erfolgte im 14.Jahrhundert in den Sammlungen des Kandschur und Tandschur. Als eigentlicher Begründer des Lamaismus gilt der indische Mönch Padmasambhava, der Mitte des 8.Jahrhunderts das erste Kloster gründete und die ersten Mönche weihte. Nach der Farbe ihrer Kopfbedeckung wurden sie »Rotmützen« (oder rote Schule) genannt. Ihre Klöster entwickelten sich zu den politischen und wirtschaftlichen Zentren des Landes, die obersten Geistlichen (Lamas) erhielten im 13.Jahrhundert vom mongolischen Khan Kubilai die Oberherrschaft über Tibet zugesprochen. Gegen die zunehmende Verweltlichung richtete sich die Reformbewegung der von Tsongkhapa (*1357, 1419) gegründeten »Schule der Tugend« (Gelugpa; »Gelbmützen« oder gelbe Schule genannt). Diese hatte die Erneuerung der buddhistischen Ethik und Lehre, die Einführung des Zölibats für die Mönche, die Ausbildung einer strengen Hierarchie und die Errichtung eines Priesterstaates in Tibet zur Folge, geführt vom Dalai-Lama als politisches und geistliches Oberhaupt. Hauptstadt und heilige Stadt des Lamaismus ist seither Lhasa. Vom 16.Jahrhundert an wurde die (bereits im 12./13.Jahrhundert begonnene) Missionierung der Mongolei intensiviert, von wo aus mongolische Missionare den Lamaismus unter den Burjaten und Tuwinen verbreiteten. Nach Europa gelangte der Lamaismus zuerst durch die Kalmücken. In der 2.Hälfte des 20.Jahrhunderts kam es in Europa und Amerika (u.a. durch tibetische Flüchtlinge) zur Gründung von buddhistischen Meditations- und Studienzentren. Weiteres zur Geschichte Tibet.

Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:

Tibet: Geschichte und religiöse Traditionen

tibetische Klöster und Mönche

tibetische religiöse Kunst



Literatur:
Dalai Lama XIV.: Das Auge einer neuen Achtsamkeit. Traditionen und Wege des tibetischen Buddhismus. Eine Einführung aus östlicher Sicht. Aus dem Englischen. München 1993.

Nicolazzi, M.A.: Mönche, Geister und Schamanen. Die Bön-Religion Tibets. Solothurn u.a. 1995.

Söpa,L. und Hopkins,J.: Der tibetische Buddhismus. Aus dem Englischen. München 81995.
© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

Buddhismus,

Tabelle: Buddhismus
die von Buddha im 6. oder 5.Jahrhundert v.Chr. im nördlichen Indien gestiftete religiös-philosophische Lehre; ursprünglich als geistig-seelisches Heilverfahren, ohne die Absicht, eine philosophische Erklärung von Mensch und Welt geben zu wollen, gedacht, wurde der Buddhismus erst später zu metaphysischen und religiösen Systemen ausgebaut.

Buddhas Lehre:
In seiner Lehre geht Buddha von den vier edlen Wahrheiten aus: 1) alles Leben ist leidvoll; 2) Ursache des Leidens ist der »Durst«, die Begierde, der Lebenswille; die Menschen bewegen sich in einem Netz von Konventionen und Illusionen, durch das sie die Welt und sich wahrnehmen; 3) die Leiden können überwunden werden durch die Abtötung von Begierden und Leidenschaften (v.a. Gier, Hass und Verblendung); 4) der Weg dazu besteht im edlen achtfachen Pfad: rechte Anschauung und Gesinnung, rechtes Reden, Handeln und Leben, rechtes Streben, Denken und Sichversenken. Ziel der Heilung ist die Aufhebung der ichbezogenen Existenz, das endgültige Erlöschen der Lebensillusionen, das Nirwana.
Nicht klar ausformulierte metaphysische und psychologische Äußerungen Buddhas führten nach seinem Tode zu Konflikten im Orden. Es formierten sich unterschiedliche Schulen und Strömungen, die sich zum Teil heftig bekämpften. Ausgangspunkt der Konflikte war u.a. Buddhas metaphysische These, alle Dinge seien ohne ein Selbst, ohne dauerhafte Substanz.

Hinajana- und Mahajana-Buddhismus:
Der Hinajanabuddhismus (»kleines Fahrzeug« behauptet, alles, was wir als dauernde Seinsform ansehen, existiere gar nicht. Substanzen, Einzelwesen, Individuen existierten real nicht, sondern seien lediglich Kausalreihen flüchtiger Daseinsformen. Es gebe keinen Denker, nur das Denken, keinen Fühlenden, nur das Fühlen. Real seien allein die kleinen, kurz dauernden Seinsabschnitte. Nirwana besteht demnach im Aufgeben dieser falschen Idee angeblich dauerhafter Substanzen.
Um die abendländische Zeitenwende entstand der Mahajanabuddhismus (»großes Fahrzeug« . Hier dominieren die Yogacara-Schule und die von dem Philosophen Nagarjuna im 2.Jahrhundert begründete Madhyamika-Schule. Die Lehre der Yogacara-Schule bestimmt das eigentliche Reale jenseits der Welt des Wandels und Scheins als reines Bewusstsein, reines Denken, vertritt also einen metaphysischen Idealismus und nähert sich damit dem monistischen System des Vedanta und Brahmanismus. Nagarjuna dagegen bestimmte das wahrhaft Reale als Shunyata (»Leerheit« . Nirwana ist demgemäß die Erkenntnis der »Leere«, aus der und in der alles Vergängliche lebt. Der Mahajanabuddhismus wurde die eigentliche buddhistische Weltreligion. Er kam den religiösen Bedürfnissen des Volkes eher entgegen (größere Anschaulichkeit der religiösen Bilder, eine Vielzahl von Kulten und Riten), zudem versprach er allen Menschen die Erlösung (Ideal des Bodhisattva). Im Unterschied dazu blieb der Hinajanabuddhismus hingegen in seinen Grundsätzen eine Asketen- und Mönchsreligion (Ideal des Arhat).

Ausbreitung:
Im 3.Jahrhundert v.Chr. wurde der Buddhismus unter König Aschoka in Indien Staatsreligion. Seitdem verbreitete er sich auch außerhalb Indiens. Sein ursprüngliches Wesen erfuhr dabei vielfache Änderungen, da er sich den Volksreligionen anglich. In der Gegenwart besteht der Buddhismus als Hinajanabuddhismus in Sri Lanka, Birma, Thailand, Laos, Kambodscha, als Mahajanabuddhismus in Vietnam, China, Korea, Japan sowie in den Sonderformen des Lamaismus in Tibet, Bhutan, Nepal, Nordost-Indien (besonders Sikkim), Russland (Burjatien, Kalmückien und Tuwa) und in der Mongolei. Auf dem indischen Subkontinent wurde er weitestgehend vom Hinduismus verdrängt, in Afghanistan, Ostturkestan und Indonesien, wo er im Mittelalter verbreitet war, ist er heute verschwunden. Über ostasiatische Auswanderer gelangte der Buddhismus nach Ozeanien (Hawaii) und nach Nord- und Südamerika. In Europa bestehen seit dem Anfang des 20.Jahrhunderts buddhistische Gemeinden (Neubuddhismus). Weltweit wird die Zahl der Buddhisten auf rund 359 Mio. geschätzt.

Hier finden Sie in Überblicksartikeln weiterführende Informationen:

Buddha: Der Erleuchtete

Buddha: Sein Leben und seine Lehre

Buddhismus in Asien: Das Rad der Lehre

Buddhismus in China

buddhistische Architektur: Stupa, Tempel und Kloster



http://www.buddhanetz.net/dharma.htm
http://www.kath.ch/do_buddhismus.htm


Literatur:
Snelling,J.: Buddhismus. Ein Handbuch für den westlichen Leser. Aus dem Englischen. München 1991.

Conze,E.: Der Buddhismus. Wesen und Entwicklung. Aus dem Englischen. Stuttgart u.a. 101995.

Schumann,H.W.: Buddhismus. Stifter, Schulen und Systeme. Neuausgabe München 31995.
© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

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Beitrag von Drunk-Maniac

21.11.2005 16:59:45

Drunk-Maniac

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hehe ein kleiner text

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Beitrag von kleinesili

21.11.2005 17:00:49

kleinesili

kleinesili hat kein Profilbild...

buddismus stinkt ganz einfach

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Beitrag von the.heroine

21.11.2005 17:00:55

the.heroine

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Zen und andere Formen des japanischen Buddhismus
Die im 5.Jahrhundert v.Chr. in Indien von Siddharta Gautama, dem Buddha aus dem Geschlecht der Shakya (Shakyamuni Buddha), gegründete Religion spaltete sich seit etwa 100 v.Chr. allmählich in zwei regional und doktrinär unterschiedene Überlieferungsströme: in den auf das weltentsagende Ordensleben konzentrierten Buddhismus des »Kleinen Fahrzeugs«, den Theravada- oder Hinayana-Buddhismus, der sich vor allem in Ceylon, Thailand, Birma, Laos sowie in Kambodscha ausbreitete einerseits und andererseits in den auf das weltlich orientierte Laienleben in Familie und Beruf konzentrierten Buddhismus des »Großen Fahrzeugs«, den Mahayana-Buddhismus, der ab der Zeitenwende um Christi Geburt allmählich in China, Korea und Japan Fuß fasste. Japan bildete dabei das Zentrum des Mahayana-Buddhismus.
Japan trat als souveräner Staat verhältnismäßig spät in die Weltgeschichte ein. Erst der dem Buddhismus zugewandte Prinzregent Shotoku-taishi schuf nach chinesischem Vorbild und in ständigem Gesandtschaftsaustausch mit dem chinesischen Sui- beziehungsweise Tang-Reich 603 n. Chr. eine dem Zentralherrscher verantwortliche Beamtenschaft: die »Zwölf-Beamtenränge«. Er erhob den überregionalen und übernationalen Buddhismus zur Staatsreligion und gab 604 dem Staat eine die Grundwerte der Gesellschaft und die Grundtugenden der Beamten festlegende konfuzianistische Verfassung. Diese »Siebzehn-Artikel-Verfassung« regelte die Beziehungen zwischen den Provinzverwaltungen und der Zentralverwaltung sowie das religiöse Leben. Die von Shotoku-taishi initiierte Unterordnung der Sippenrechte (auch des Eigentumsrechts) unter das Tenno-Recht (das Kaiserrecht) wurde 645 durch die Taika-Reform des Tenji vollendet. Den äußeren Höhepunkt dieser politischen, kulturellen und religiösen Entwicklung Japans zu einem »Weltreich im Osten« markierte die »Feier der Augeneröffnung« des »Großen Buddha« des Tempels Todaiji in Heijo-kyo, dem heutigen Nara unter Vorsitz des Tenno Shomu im Jahre 752, an der unter anderen auch diplomatische und religöse Gesandte aus Korea, China, Vietnam und Indien teilnahmen. Shomu feierte den in der Lehrschrift »Kegon-Sutra« (»Sutra der Blumengirlande« im Mittelpunkt stehenden »Sonnen-Buddha« als den Herrscher des Kosmos und Japan als Mittelpunkt seines kosmischen Reiches.
Shomus Tochter Shotoku konnte sich gegen die Machtkämpfe des Hofadels und der Mönche von Heijo-kyo nicht durchsetzen. Kaiser Kammudagegen befreite sich von den politischen und religiösen Institutionen und schuf sich 805 in Kyotoeine neue kaiserliche Residenzstadt, in der sich bis zum 12.Jahrhundert in bewusster Auseinandersetzung mit dem Modell des Tang-Reiches allmählich eine autonome japanische Kulturform herausbildete, die heute als die japanische Klassik gilt. Sie wurde geprägt durch den politischen, kulturellen und künstlerischen Willen der Familien des Hofadels, vor allem der Familie Fujiwara. Fujiwara no Michinaga erreichte als Regent und Schwiegervater des Kaisers größten politischen Einfluss und führte die wirtschaftliche Macht zu ungeahnter Prachtenfaltung.
Der japanische Buddhismus der Asuka-Zeit (6. und 7.Jahrhundert) wurde maßgeblich von koreanischen Mönchen beeinflusst. Der Chan-Buddhismus (Meditationsbuddhismus) war japanischen Mönchen, die nach China reisten, schon in der Nara-Zeit, im 8. Jahrhundert bekannt, wurde aber zunächst nur als Meditationsform und nicht als eigenständige Schule wahrgenommen. Mit der Blüte des Chan-Buddhismus in China während der Song-Zeit übernahm Japan innerhalb einiger Jahrzehnte diese Form des Buddhismus als eigenständige Richtung unter dem Namen »Zen«. Die beiden Haupschulen des Zen-Buddhismus in Japan sind der Soto-Zen und der von Eisai Myoan von China eingeführte Rinzai-Zen. Die Rinzaischule hat heute noch großen Einfluss.
Der japanische Buddhismus war lange Zeit eng an Kaiserhaus und Hofadel gebunden. Zwar übernahmen in der Heian-Zeit vom 9. bis 12.Jahrhundert immer mehr geniale japanische Mönche wie Saicho, der Anfang des 9.Jahrhunderts die Tendai-Schule ins Leben rief, die alle Formen des Buddhismus in ein einziges System zu fassen versucht, und sein Zeitgenosse Kukai der Stifter der Shingon-Schule, einer esoterischen Richtung des Buddhismus, die geistige Führung. Doch auch sie konnten die Selbstbegrenzung des japanischen Buddhismus und seine Bindung an die herrschenden Schichten nicht durchbrechen. Erst die Entmachtung des Hofadels durch den Kriegeradel ab dem 12. und 13.Jahrhundert und der westlichen Zentralregion Kinki (um Kyoto) durch die nordöstlichen Provinzen (Kanto mit dem neuen Regierungszentrum des Shogunats Kamakura) und die damit einhergehende Entwicklung der Provinzen bahnte dem Buddhismus den Weg in die Bevölkerung.
Diese äußere Begünstigung der buddhistischen Volksmission konnte aber nur deshalb von dauerhafter Wirkung sein, weil der Mahayana-Buddhismus mit seinem Erlöserideal des Bodhisattvas das Schwergewicht von den Mönchen zu den Laien verschob. In den Mittelpunkt rückte dabei immer mehr die Erlösungschance der Einzelperson, ohne Ansehen von Alter, Geschlecht, sozialem oder religiösem Stand. Außerdem erstarkte zunehmend die Hoffnung auf eine Erlösung hier und jetzt und nicht erst nach dem Tod oder nach weiteren Stationen im leidvollen Kreislauf von Geborenwerden und Sterben. Diese neue Betonung der Erlösungschancen des weltlichen Menschen hier und jetzt ist eine gemeinsame Tendenz der »Schulen des Kamakura-Buddhismus«. Zu den wichtigsten gehören hier der Amida-Buddhismus im Sinne von Honen Shonen oder Shinran Shonen, der Lotos-Buddhismus im Sinne von Nichiren und der Zen-Buddhismus von Eisai Myoan und von Doogen. Bis auf den heutigen Tag haben diese Überlieferungsströme beziehungsweise die aus ihnen hervorgegangenen Religionsgemeinschaften in Japan die meisten Anhänger. Jede dieser religiösen Richtungen hat ebenso wie die älteren Schulen der Heian-Zeit, Tendai und Shingon einen eigenen Kunst- und Lebensstil hervorgebracht.
Ein weiteres Charakteristikum japanischer Religiosität, das in allen Jahrhunderten beobachtet werden kann, ist die Tendenz zum Synkretismus. In immer neuen Formen haben vom 6.Jahrhundert an Shinto und Buddhismus aneinander gebunden gelebt, einmal mehr unter der Vorherrschaft des Buddhismus, das andere Mal mehr unter der Vorherrschaft des Shinto. Vereinfachend, aber mit Rücksicht besonders auf die Edo-Zeit vom 17. bis zum 19. Jahrhundert prinzipiell richtig, kann man behaupten: Während die Riten des Shinto das dieseitige Leben schützen sollte, wollen die Riten des Buddhismus die jenseitige Ruhe sichern. Doch wenn man Synkretismus in Japan nur als Symbiose von Shinto und Buddhismus versteht, denkt man ihn zu einfach. Beide haben sich mit der Sozial- und Staatsethik des Konfuzianismus, mit dem mystischen oder magischen Daoismus sowie mit den vielfältigen Vorstellungen und Bräuchen des Volksglaubens verbunden. Auch heute noch empfinden es die meisten Japaner nicht als Widerspruch, in den Neujahrstagen sowohl zum Shinto-Schrein wie auch zum buddhistischen Tempel zu pilgern, eine Hochzeitszeremonie mit weißem Brautkleid in einer christlichen Kirche zu arrangieren und vor dem Hausbau zuerst den daoistischen Wahrsager nach den glückbringenden Tagen und Himmelsrichtungen zu fragen.
Prof. Dr. Johannes Laube

Literatur:
Elisseeff, Danielle, und Elisseeff, Vadime: Japan. Kunst und Kultur. Ins Deutsche übertragen von Hedwig und Walter Burkart. Freiburg im Breisgau u. a. 21987. Schinzinger Robert: Japanisches Denken. Der weltanschauliche Hintergrund des heutigen Japan. Berlin 1983.
© 2002 Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG

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Beitrag von m-irl

21.11.2005 17:07:26

m-irl

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the heroine is wien lexikon

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Beitrag von Anne-Kris...

21.11.2005 17:08:22

Anne-Kris...

Anne-Kristin89 hat kein Profilbild...

Buddhismus, von Buddha Siddharta Gautama im 5. Jahrhundert v. Chr. gestiftete und nach ihm benannte Religion. Nach Christentum, Islam und Hinduismus ist der Buddhismus die viertgrößte Weltreligion. Im Lauf der Geschichte breitete er sich, ausgehend von seinem Ursprung im nördlichen Indien, in ganz Asien aus und prägte die Gesellschaften dieses Kontinents in allen politisch-kulturellen Dimensionen. Seit etwa 100 Jahren ist er auch in Amerika und Europa heimisch. Der Buddhismus ist die erste universale Religion der Menschheit und eine der ältesten Heilsreligionen überhaupt.

Buddhistischer Kultgesang aus Tibet Auf uralten überlieferten Techniken basiert der Gesang der buddhistischen Mönche in Tibet, bei dem ein Sänger gleichzeitig zwei oder drei Töne anstimmt."Yamantaka" (Alle Rechte im Auftrag von The Gyuto Monks) (c)1989 360 Degrees Publishing, Inc. (ASCAP) aus The Gyuto Monks: Freedom Chants from the Roof of the World (Cat. # RCD 20113) (p) 1989 360 Degree Productions. Alle Rechte vorbehalten.
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Etwa 6 Prozent der Weltbevölkerung (rund 360 Millionen Menschen) sind Buddhisten. Sie gehören verschiedenen Richtungen an, die auch „Fahrzeuge” genannt werden, weil die Menschen durch sie den Fluss der Werdewelt auf das andere Ufer hin überqueren. 130 Millionen Buddhisten zählen zum so genannten kleinen Fahrzeug, 200 Millionen zum großen Fahrzeug und 30 Millionen zum diamantenen Fahrzeug. In Sri Lanka, Myanmar (Burma), Thailand, Laos, Kambodscha, Tibet und Bhutan ist der Buddhismus die dominierende Religion. Stark vertreten ist er in Japan, China, der Mongolei, Korea, Vietnam, Malaysia und Singapur.

Der Buddhismus ist aber nicht nur eine Religion, er ist auch eine Philosophie, die eine in sich konsistente Erkenntnistheorie, Kosmologie und Anthropologie geschaffen hat. Zudem ist er eine Wissenschaft von den psychischen Prozessen und den Faktoren, die die Wahrnehmung und das Denken beeinflussen, sowie ein praktisches Meditationssystem, das durch unterschiedliche Methoden die Integration körperlicher und mentaler Vorgänge ermöglicht. Vor allem aber ist der Buddhismus ein Lebensweg, der alle Lebensbereiche erfassen, durchdringen und transformieren will. Sein Ziel ist die Befreiung aus den Fesseln der selbstverursachten körperlichen, psychischen und mental wirksamen Verstrickungen.

Buddhistische Musik aus Korea Großen Einfluss auf das geistige und künstlerische Leben Koreas hatte der Buddhismus, der im 4. Jahrhundert auf der Halbinsel eingeführt wurde."Chitsori Koyongsan" performed by Park Song Am, from Korean Traditional Music - 9 (Seoul Records SRCD-1219) Licensed from Seoul Records, Inc., Korea (p) Seoul Records. All rights reserved.
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Die Dreifache Zuflucht – auch die drei Kostbarkeiten, die drei Juwelen oder die drei Schätze genannt – stellt das grundlegende Bekenntnis der Zugehörigkeit zum Buddhismus dar. Es lautet: „Ich nehme Zuflucht zum Buddha, ich nehme Zuflucht zur Lehre (Dharma), ich nehme Zuflucht zur Gemeinschaft (Sangha).” Man wird formell zum Buddhisten, indem man die dreifache Zuflucht dreimal wiederholt.

Das erste Juwel (Buddha) ist ein Titel und bedeutet „der Erleuchtete” oder „der Erwachte”. Es ist der Ehrentitel des Stifters des Buddhismus, des historischen Buddha, der vor 2 500 Jahren als Siddharta Gautama auf die Welt kam.

2 SIDDHARTA GAUTAMA (BUDDHA)

Die Stationen des Buddha © Microsoft Corporation. Alle Rechte vorbehalten.

Als Lebenszeit von Siddharta Gautama wird heute etwa die Zeit von 450 bis 370 v. Chr. angenommen. Er wurde als Sohn eines Adeligen aus dem Geschlecht der Shakya in Nordindien geboren. Als Sohn des Regenten der Shakya-Republik von Kapilavastu, die unter der Oberhoheit des Königs von Koshala stand, verbrachte er eine unbeschwerte Jugend. Im Alter von 29 Jahren begann Siddharta Gautama das Leben eines wandernden Bettelmönchs zu führen. Sechs Jahre lang lebte er als strenger Asket, gab aber diese Lebensweise, da sie ihn nicht zur Befreiung führte, wieder auf. Eines Abends ging er nach Bodh-Gaya (früher Uruvela) und ließ sich unter einem Feigenbaum nieder, um zu meditieren. Dort erlangte er die Erleuchtung (Bodhi), durch die er zum Buddha wurde (siehe Bodhibaum).

Nach mehrwöchiger Meditation entwickelte er die Lehre, die es ermöglicht, dem Leiden ein Ende zu setzen und Befreiung zu finden. Er ging anschließend zum Wildpark Ishipathana (auch Gazellenhain) in Sarnath bei Benares, traf dort auf fünf Bettelmönche, die Zeugen seiner früheren Kasteiungen waren, und hielt vor ihnen seine erste Predigt. Mit dieser Predigt von Benares setzte er das Rad der Lehre in Gang, sie war der Beginn der öffentlichen geistigen Lehrtätigkeit, die er 45 Jahre lang ausübte. Im Alter von 80 Jahren starb Gautama bei Kushinagari im Land der Mallas.

Zum Leben Siddhartas existiert umfangreiches Quellenmaterial, das jede einzelne Station des künftigen Buddha (Bodhisattva) phantasiereich ausmalt und mit Motiven und Erzählkomplexen anreichert, die auch sonst in der Religionsgeschichte zur Verdeutlichung der besonderen Bedeutung von Stifterpersönlichkeiten eingesetzt werden. So wird die Geburtsgeschichte mythisch überhöht; legendäre Jugenderzählungen preisen die übernatürlichen Kräfte des jugendlichen Bodhisattva. Zu diesen Legenden gehört auch die berühmte Geschichte von den vier Ausfahrten des Fürstensohnes, der in der Erzählung als Prinz und Königssohn bezeichnet wird. Die Erzählung über das Erwachen bzw. die Erleuchtung wird mit den Erzählungen über die Versuchungen durch Mara ausgeschmückt, den Dämon, der sich dem Erwachen des meditierenden Gautama in den Weg stellt. Diese Motive werden ihrerseits zu einem beliebten Thema der buddhistischen Kunst und Frömmigkeit.

3 BUDDHAS UND BODHISATTVAS

Rad des Lebens (Samsara) Das Rad des Lebens, auch Rad des Gesetzes genannt, zeigt die buddhistische Auffassung von der zyklischen Natur des Lebens. Die drei großen menschlichen Laster, die das Rad antreiben, werden im Zentrum des Rades in Form von Tieren dargestellt: Der Hahn symbolisiert Gier, das Schwein steht für Unwissenheit, und die Schlange ist Symbol des Hasses.Hutchison Library

Im frühen Buddhismus war Siddharta Gautama lediglich der irdische Lehrer des Dharma. Im Mahayana hingegen wurde er als gleich-ewig mit dem Dharma betrachtet. Demnach war der Buddha, der überirdisch schon immer existiert hatte, auf Grund seiner Barmherzigkeit als Lehrer auf der Erde erschienen, um die unwissenden Menschen zu befreien: Eine Konzeption, die ursprünglich wohl nur seine herausragende Bedeutung für alle Lebewesen unterstreichen sollte, wurde immer mehr zu einer Frage der Bestimmung des universalen und ewigen Wesens, das in dieser Weltperiode als Buddha aus dem Geschlecht der Shakyas erschienen war. Auf diese Weise entstand eine Vorstellung vom Wesen des Buddha, eine Buddhologie, die sich in der Trikaya-Lehre (der Lehre von den drei Körpern des Buddha) entfaltete. Entsprechend dem indischen Zeitverständnis, wonach unserem Zeitalter unendlich viele Zeitalter vorangegangen sind und noch viele folgen werden, verband sie das historisch Besondere mit dem transzendenten Allgemeinen, und erklärte, wie sich die Vielzahl von Buddhas zu dem einen unwandelbaren Dharma verhält.

Auch das Mahayana gründet auf den Lehren des Buddha, aber nicht auf der Predigt des Siddharta Gautama; Autor der autoritativen Sutras des Mahayana ist vielmehr der Buddha in seiner trans-historischen Gestalt. Beim Vortrag dieser Sutren ist er umgeben von Scharen himmlischer Wesen; der Ort der Verkündigung wird zu einem Schauplatz kosmischer Manifestation. Die Verkündigung findet statt in einer feinstofflich-transzendenten Dimension: die Sutras sind Verkörperung der höheren Form der Lehre des Buddha, die im Pali-Kanon in weniger entwickelter Gestalt vorliegt. Demnach schien es nur so, als wäre der Buddha Shakyamuni ein historischer, bedingter, leidender Mensch gewesen: in Wirklichkeit war er leidlos, universal und ewig. Es ist zu unterscheiden zwischen dem Ewigkeitskörper bzw. ewigen Wahrheitskörper, dem Erscheinungskörper im Grobstofflichen, Irdischen und dem Seligkeitskörper auf der feinstofflichen Zwischenebene, der dem Meditierenden visionär erscheinen kann.

Mit dieser Buddhologie verbindet sich im Mahayana ein neues Heiligkeitsideal, der Bodhisattva (Erleuchtungswesen). Im älteren Buddhismus ist ein Bodhisattva ein Mensch, der unterwegs ist zur Erleuchtung. Im Mahayana ist ein Bodhisattva jemand, der die Erleuchtung erreicht hat, aber auf den sofortigen Eintritt ins Nirvana verzichtet, um allen Wesen zu helfen; in grenzenlosem Mitleid nimmt er sogar das Leid anderer auf sich. Nach seinem Tod existiert er in einem Zwischenreich, in dem er für Hilfe suchende Gläubige erreichbar ist und angerufen werden kann; entscheidet er sich für eine Wiedergeburt, sucht er jenen Körper aus, in dem er den Menschen am besten die Lehre und das Heil vermitteln kann. Wie es unzählige Buddhas gibt, so existieren in der Vorstellung des Buddhismus auch unzählige Bodhisattvas mit den unterschiedlichsten Hierarchien und Zuordnungen. Eines dieser Schemata ist die Lehre von den fünf transzendenten Buddhas, denen fünf Bodhisattvas und fünf menschliche Buddhas zugeordnet sind, die ihrerseits jeweils einem Element und einem Daseinsfaktor entsprechen. Einer dieser fünf Buddhas ist der Buddha Amitabha bzw. Amida, der Buddha der Schulen des Reinen Lands; sein Bodhisattva ist Avalokiteshvara, die Verkörperung des Großen Erbarmens, der sich im Dalai-Lama des tibetischen Buddhismus reinkarniert. Nach diesem Schema war Buddha Shakyamuni der vierte Buddha auf Erden: Nach ihm wird sich mit Buddha Maitreya der fünfte und letzte irdische Buddha manifestieren, eine Verkörperung der allumfassenden Liebe, der im Tushita-Himmel auf die Zeit seiner Wiederkunft wartet.

4 DIE BUDDHISTISCHE LEHRE

4.1 Die Vier Edlen Wahrheiten vom Leiden und seiner Überwindung

Bereits in der frühesten Überlieferung, in der so genannten ersten Predigt von Benares, erscheint als Kern der Verkündigung des Buddha die Rede von den Vier Edlen Wahrheiten: Die erste Wahrheit ist die Wahrheit vom Leiden, die Erkenntnis, dass alles Anhaften an vergänglichen Dingen zur Frustration führt. Die zweite Wahrheit bezeichnet die Aufdeckung der Ursache dieses Sachverhalts, die Wahrheit von der Entstehung des Leidens. Die dritte Wahrheit beinhaltet die Einsicht in die Möglichkeit, diesen leidvollen Zustand zu beenden, es ist die Wahrheit von der Überwindung des Leidens. Die vierte Wahrheit meint die Wahrheit vom Weg zur Überwindung des Leidens, der im Edlen Achtfachen Pfad beschrieben wird.

Alles Vergängliche ist dem Buddhismus nach leidvoll. Aber nicht die Vergänglichkeit als solche ist das Leiden: Sie ist vielmehr ein neutrales Naturgesetz; leidvoll und frustrierend ist der Versuch des Menschen, dem Augenblick Dauer zu verleihen, um sich selbst Stabilität und Identität zu geben.

4.2 Der Edle Achtfache Pfad

Der Edle Achtfache Pfad gehört zur Basis der buddhistischen Praxis und Lehre und wurde in allen Schulen und zu allen Zeiten begangen und gepflegt. Jedes Glied des achtfachen Pfades enthält den Begriff samyak, was meist mit recht (rechte Anschauung, rechter Entschluss usw.) übersetzt wird. Gemeint ist eine Haltung, die jeweils alle Aspekte und Folgen einer Handlung berücksichtigt, also nicht nur kurzfristigen oder einseitigen Gewinn, sondern ganzheitliche Betrachtung im Auge hat. Die einzelnen Glieder des Pfades sind: 1. ganzheitliche Anschauung, 2. ungeteilter Entschluss, 3. untadelige Rede, 4. vollkommenes Handeln, 5. ganzheitliche Lebensführung, 6. gleichgewichtige Anstrengung, 7. unablässige Achtsamkeit, 8. ganzheitliche Einswerdung.

Alle acht Glieder sind nicht Stufen, die nacheinander beschritten werden, sondern Aspekte, die aufeinander einwirken und gleichzeitig geübt werden. Die Ethik des Buddhismus ist eine Konkretisierung dieser acht Gesichtspunkte. Sie ist geprägt von der Grundhaltung der liebevollen Güte (Maitri) und der heilenden Hinwendung (Karuna) zu allen lebenden Lebewesen. Wer durch liebende Güte gereinigt ist, hat das Ziel der Befreiung erreicht. Er verweilt unablässig in Achtsamkeit, hat den Streit über philosophische Ansichten hinter sich gelassen und ist dem Kreislauf der Wiedergeburten enthoben.

4.3 Die fünf Daseinsfaktoren

Die frühbuddhistische Philosophie unterscheidet fünf Gruppen, Aggregate oder Wirklichkeitsbereiche, aus deren Zusammenwirken der Mensch besteht. Diese fünf Skandhas bzw. Daseinsfaktoren oder auch Anhaftungsgruppen sind: 1. der physische Körper, der die vier Elemente Erde, Wasser, Feuer und Wind enthält; 2. die Empfindung bzw. das Gefühl, das als Reaktion auf Sinneseindrücke oder Gemütsbewegungen entsteht; 3. die unterscheidende Wahrnehmung äußerer Objekte; 4. die Willens- und Geistesregungen, die auf die Wahrnehmung reagieren und interpretieren; 5. die Bewusstseinskraft, die alle anderen Ebenen koordiniert und zu einer zielgerichteten Gesamtheit zusammenfasst.

Der Mensch als Person ist lediglich eine unbeständige, rasch vergängliche Kombination dieser Faktoren, die sich in jedem Moment ihres Daseins wandelt. Es gibt daher kein beständiges, eigenständig existierendes Selbst, das sich im Wechsel der Erscheinungen durchhält, und es gibt auch keine Seele. Es ist dies die Lehre vom Anatman, der Nichtsubstanzialität des Ich. Die frühe buddhistische Lehre ist durch drei Kennzeichen geprägt: Anatman (keine Seele), Anitya (Unbeständigkeit) und Dukkha (Frustration, Leiden).

Die Lehre vom Anatman machte eine Neuauslegung der indischen Idee vom Kreislauf der Wiedergeburt in der Welt der Erscheinungen, dem Samsara, nötig. So entstand die Lehre von Pratityasamutpada oder von dem bedingten Werden in einer zwölfgliedrigen Kette von Ursachen.

4.4 Das Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit

Das Entstehen in gegenseitiger Abhängigkeit, auch als Konditionalnexus oder Kausalnexus bezeichnet, ist die Lehre von der organischen Verbundenheit aller Erscheinungen. Alles ist Wechselwirkung und steht mit allem in Verbindung; deshalb ist alles Ursache für bestimmte Wirkungen, die wiederum zur Ursache aller Erscheinungen werden. Jedes Glied in der Kette des Entstehens enthält alle anderen und trägt deshalb alle Möglichkeit und Wirklichkeit in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in sich. Der Konditionalnexus funktioniert nach folgendem Prinzip: Aus Unwissenheit (1) entstehen psychische Gestaltungen und Einprägungen (2), aus denen nach dem Tod ein spezifischer Bewußtseinszustand (3) als Träger einer neuen Existenz entsteht; davon abhängig entwickeln sich Name und Form (4), das heißt psychische Faktoren und Körper, sowie der sechsfache Bereich (5), die sechs Sinnesorgane (die fünf Sinne und das Denken); daraus folgt die Berührung (6) der Sinnesorgane mit ihren Objekten; hieraus wiederum entstehen die Empfindungen (7), die ihrerseits die Gier (8), den Durst nach den Objekten und dem Dasein entstehen lassen; damit führen sie nach dem Tod zum Ergreifen (9) eines neuen Mutterschoßes, zum Werden (10), zur neuen Geburt (11) und damit wieder zu Alter und Tod (12). Rückläufig gelesen besagt die Formel: Durch die Vernichtung der Unwissenheit werden die Bildekräfte der Gestaltungen und Einprägungen vernichtet, durch deren Vernichtung das Bewußtsein usw.

Die Kette beschreibt ein wechselseitiges Sich-Bedingen: Jede Erscheinung ist Bedingung der anderen, alle Erscheinungen der Wirklichkeit sind wechselseitig voneinander abhängig. Die Einsicht in diese Struktur ist die Voraussetzung für die Befreiung aus dem Gefangensein in ihr. Befreiung wird erreicht durch das Ende des Begehrens. Bildlich dargestellt wird diese Nidana-Kette im Lebensrad (Bhavachakra).

4.5 Nirvana

Das Ziel aller spirituellen Praxis und des Lebens überhaupt ist Nirvana (Pali: Nibbana). Es ist das Ende des Begehrens, das Ende aller bedingten Bewusstseinszustände, aller Daseinsgrundlagen, das Erlöschen und damit das Ende von Leid und Frustration. Es bedeutet die Vernichtung des Verlangens und aller Leidenschaften und damit die Erlangung vollkommener Gemütsruhe, höchster Seligkeit. Es ist jenseits unserer unterscheidenden Abgrenzungen und entzieht sich deshalb der Versprachlichung, aber es ist nicht Vernichtung und bedeutet auch keinen Nihilismus.

5 DIE GEMEINDE

Maitreya Im Buddhismus ist Maitreya der kommende Buddha, der einstmals die buddhistische Lehre erneuern soll. Dieses Exponat wurde in Kambodscha hergestellt.SuperStock/Private Collection


5.1 Mönche, Nonnen und Laien

Der Sangha, das dritte Juwel, ist die Gemeinschaft derer, die der buddhistischen Tradition gemäß leben, die Überlieferung hüten sowie das Erkannte in die Tat umsetzen. Der Sangha ist vierfach in Mönche (Bhikshu), Nonnen (Bhikshuni), Laienanhänger (Upasaka) und Laienanhängerinnen (Upasika) gegliedert. Das Rückgrat des Buddhismus bildet der Sangha im engeren Sinn, der zweifache Orden, insofern er die Überlieferung unverfälscht zu bewahren und weiterzugeben hat. Aber dem Laienelement kommt ebenfalls eine große Bedeutung zu, da die Laien die Mönche und Nonnen durch Almosengaben ernähren, womit sie für sich selbst gutes Karma erwerben. Außerdem waren es die Laien, die die buddhistischen Ideale in die Gesellschaft trugen und damit die Voraussetzung für die kulturelle Gestaltungskraft des Buddhismus schufen.

Allerdings entstand damit auch eine Art zweistöckiger Gesellschaft: Mönche und Nonnen erfüllen Gelübde, streben durch Weisheit direkt zum Nirvana, die Laien tun gute Werke, streben nach einem guten Karma für eine bessere Wiedergeburt, aus der sie zum Nirvana gelangen. Die Unterscheidung bedeutet nicht, dass die Lehre des Buddha als Weg zum Nirvana nicht für alle Menschen gleich wäre; jedoch besitzen die Menschen dieser Auffassung gemäß karmisch bedingte unterschiedliche Voraussetzungen, weshalb die eine Lehre verschieden gelebt werden muss.

5.2 Ethik

Leitmotiv der gesamten buddhistischen Ethik sind die liebevolle Freundlichkeit, (Maitri), Güte, Milde und barmherzige Hinwendung zu allen Wesen (Karuna). Für die Laien wird diese Ethik in den fünf grundlegenden moralischen Regeln zusammengefasst, die ohne Einschränkung gelten: 1. Gewaltverzicht gegenüber Lebewesen; 2. Verzicht auf das, was nicht gegeben wird; 3. keine Pflege unheilsamer (von Begierde geprägter) sexueller Beziehungen; 4. Wahrhaftigkeit; 5. Vermeidung von Rauschmitteln.

Die buddhistische Ethik besteht aber nicht allein in negativ gefassten Gedanken, Worten und Handlungen: Unabdingbar gehört auch die Kultivierung heilsamen Denkens, gütiger Sprache und positiver Taten dazu. So bedarf der Gewaltverzicht gegenüber allen Lebewesen der positiven Füllung, der heilenden Hinwendung zu diesen. Der Überwindung der Begehrlichkeiten entspricht die Empfehlung der Freigebigkeit, der Enthaltsamkeit wiederum die Pflicht, alle Beziehungen aus gegenseitigem Respekt heraus zu gestalten. Der sprachlichen Zurückhaltung, was Wahrhaftigkeit vor allem meint, ist die milde und freundliche Rede adäquat, der Vermeidung von Rauschmitteln die unablässige Übung, die Klarheit des Bewusstseins zu kultivieren.

Die Regeln für Mönche und Nonnen gehen wesentlich über die fünf Grundregeln für Laien hinaus. Es gibt 227 Regeln für die Mönche und 311 Gebote für die Nonnen, die alle Details des Alltags regeln.

5.3 Meditation

Durch das sittliche Verhalten schaffen Mönche, Nonnen und Laien die Voraussetzungen für ihre meditative Praxis. Buddhistische Meditation meint Versenkung des Bewusstseins, die Vereinheitlichung der oberflächlichen, disparaten und einander widerstrebenden Bewusstseinsbewegungen zu einem ruhigen Strom. Die Motivation zur Ausdauer in der Übung entwickelt sich einerseits durch die Analyse der Vergänglichkeit und Leidhaftigkeit des Daseins, andererseits durch die Erkenntnis, dass die Wiedergeburt als Mensch selten und kostbar ist und die Möglichkeit hierzu deshalb klug genutzt werden muss.

Die Praxis der Meditationsübung hat in der Geschichte des Buddhismus erhebliche Veränderungen erfahren und die unterschiedlichsten Techniken und Systeme hervorgebracht. Die Grundlage für alle Meditationssysteme ist jedoch die Achtsamkeitsmeditation, die immer noch die wesentliche Übung darstellt. Die Meditation ist keineswegs nur bildlos und abstrakt, sondern hatte immer auch visionären Charakter. So geht es zum Beispiel in der Liebende-Güte-Meditation darum, alle Himmelsrichtungen mit liebender Güte zu durchdringen und für alle Wesen Barmherzigkeit auszustrahlen. Dies geschieht so, dass man sich zunächst an einem Punkt innerhalb des eigenen Körpers die betreffende Energie bildhaft und so lebendig wie möglich vorstellt; dann wird diese innere Empfindung ausgedehnt, wobei sich das begrenzte Ich-Gefühl mit auflöst. Diese Bewusstseinsstrahlung ist als solche aktiv und in der Welt wirksam; darüber hinaus wird das in der Meditation Imaginierte allmählich zur charakterlichen Grundhaltung des Übenden, der nun auf dieser Grundlage handelt.

Auf dem spirituellen Weg gibt es fünf Haupthindernisse: Sinnliche Begierde, Hass, Trägheit, Ichhaftigkeit und Geringschätzung anderer, Zweifel am rechten Weg. Sie führen zum Anhaften, von dem es frei zu werden gilt. Aus der Freiheit entsteht dann Ruhe, aus der Ruhe erwächst Freude, auf der Grundlage der Freude wird die echte Konzentration möglich.

Ziel aller Übung ist die Weisheit, die vor allem in der Erkenntnis des Entstehens in gegenseitiger Abhängigkeit besteht. Die Weisheit drückt sich aus in den Vier Edlen Wahrheiten, der Lehre von den fünf Daseinsfaktoren, dem Achtfachen Pfad sowie in der Lehre von der Leerheit (Shunyata) aller Erscheinungen. Wird diese Weisheit vollkommen erlangt, ist Befreiung erreicht. Im Mahayana wird die Weisheit als weibliche Gottheit visualisiert und zum wichtigsten Symbol allen geistigen Strebens.

5.4 Kult und Ritual

Das Begehen des Edlen Achtfachen Pfades und die Übung der Meditation sind höchst anspruchsvoll, für viele Menschen zu anspruchsvoll. Für sie gibt es den Heilsweg des Kultes und des Rituals. Hierher gehören die Reliquienverehrung, die Errichtung von Stupas, die Herstellung von Buddhabildern, das Darbringen von Blumen und Räucherwerk und das Musizieren an Andachtsstätten. Damit halten Kult und Volksfrömmigkeit, Götter und Dämonen, Himmel und Hölle, die für den Buddha Shakyamuni belanglos waren, wieder Einzug in das religiöse Leben. Puristen sehen darin ein Zugeständnis an die Massen und eine illegitime Veräußerlichung der Lehre. Aber gerade der tibetische Buddhismus, der mit seinen tantrischen Elementen in dieser Hinsicht am weitesten geht, kann zugleich zeigen, dass es sich nicht um bloße Veräußerlichung handeln muss, sondern dass dieses Äußere als unersetzlicher Träger subtilster esoterischer Wahrheit dienen kann.

Nicht zu vernachlässigen ist außerdem, dass die scheinbaren Äußerlichkeiten der Volksfrömmigkeit zur Schaffung von Stupas, Tempeln, Pagoden, Plastiken und Buddha-Bildern von höchster künstlerischer Qualität führten. Kunst, Kult und Ritual sind gewissermaßen die spiegelbildliche Antwort der Menschen auf den Impuls, den der Religionsstifter ausgesandt hat. Sie zeigen anschaulich und damit oft genauer, welchen Stellenwert bestimmte Motive und Erzählkomplexe für die Frömmigkeit der Menschen haben, und geben Aufschluss über die emotionalen Dimensionen einer Religion.

5.5 Religion und Politik: Mönchsorden und Staat

Schon in der frühen Geschichte des Buddhismus suchten die weltlichen Herrscher Rat bei den Mönchen, und der Sangha wurde im Gegenzug mit Schenkungen und Privilegien belohnt. Da die predigenden Mönche oft auch als Volkserzieher wirkten, gewannen sie einen nicht unerheblichen politischen Einfluss. Es entwickelte sich das Modell einer Balance der zwei Räder des Dharma: das Rad der weltlichen Herrschaft und das Rad der geistigen Befreiung, die zwar getrennt sind, aber miteinander kooperieren wie die zwei Räder an einer Achse. Wo buddhistische Herrscher weltliche und geistliche Gewalt an sich zu ziehen versuchten, kam es immer wieder zu mönchischen Protestbewegungen – getragen meist von so genannten Waldmönchen, die sich von den Machtzentralen fernhielten, die Könige und die Korruption in den Städten kritisierten und demgegenüber den Rückzug zur Meditation in die Einsamkeit zum Programm erhoben.

6 GESCHICHTLICHE FORMEN

Im Lauf der Geschichte des Buddhismus entstanden zahlreiche Schulen und Unterschulen (manchmal missverständlich auch als Sekten bezeichnet), die sich teils in der philosophischen Lehre, vor allem aber in Bezug auf die Interpretation der Ordensregel unterschieden. Die Ausbreitung in neue kulturelle Räume und unter anderen Völkern brachte naturgemäß auch jeweils neue Formen des Buddhismus und neue Traditionslinien hervor.

Aufs Ganze gesehen, lassen sich Hinayana (Theravada) und Mahayana, das Kleine und das Große Fahrzeug, als Hauptrichtungen unterscheiden, wobei diese Unterscheidung vom Standpunkt des Mahayana aus getroffen wird. Letzterer will möglichst viele Menschen über den Ozean des Leidens fahren und über den Fluss der Werdewelt an das andere Ufer der Erlösung bringen. Vertreter des Mahayana nannten die älteren, von ihnen als elitär gebranntmarkten Schulen Hinayana, um auszudrücken, dass in diesem Fahrzeug nur wenig Menschen (Mönche nämlich) Platz fänden; seine Lehren seien zu schwierig, seine Forderungen zu hoch. Inzwischen hat die Bezeichnung ihre ursprünglich diskriminierende Bedeutung zwar verloren, doch nennt sich diese Richtung selbst meist Theravada (Lehre der Alten); ihre Anhänger heißen entsprechend Theravadins (Befolger der alten Lehre). Schon der frühe Buddhismus hatte sich in verschiedene Schulen gespalten: die Tradition spricht von 18 klassischen Schulen. Da der Theravada die einzige noch bestehende dieser Schulen ist, vertritt er tatsächlich die Lehre der Alten, wenn auch nicht den Ur-Buddhismus.

Geographisch gefasst wird in grober Schematisierung der Theravada-Buddhismus auch als südlicher Buddhismus und der Mahayana-Buddhismus als nördlicher Buddhismus bezeichnet.

6.1 Hinayana – Theravada

Der Pali-Kanon ist die Textsammlung der Theravadins. Er enthält die von fast allen Buddhisten als verbindlich anerkannten Texte, die im 1. Jahrhundert v. Chr., etwa 300 Jahre nach der Lebenszeit des Buddha, in der Pali-Sprache schriftlich niedergelegt wurden. Zur Sicherung der Textüberlieferung hatten zuvor schon drei so genannte Konzile stattgefunden, das erste vier Monate nach dem Tod des Buddha, das zweite 100 Jahre später und das dritte unter König Aschoka. Der Pali-Kanon ist in drei so genannte Körbe (Tipitaka; Sanskrit Tripitaka: Dreikorb) gegliedert; der erste enthält die Regeln der Ordensdisziplin, der zweite die Lehrreden des Buddha und der dritte die systematisierte Lehre.

Von großer Bedeutung ist zudem der Milindapanha (Fragen des Königs Milinda), ein Pali-Text aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., der allerdings nicht in den Kanon aufgenommen wurde. Darin erläutert der Mönch Nagasena dem griechisch-baktrischen König Menandros (Milinda) in Dialogform die für den Griechen schwer begreifbaren Lehren vom Nicht-Ich, der Reinkarnation, der Bewusstseinsformen usw. Ein weiteres wichtiges Werk der Theravada-Schule ist der Visuddhimagga (Weg der Reinigung) des Mönches Buddhagosa aus dem 5. Jahrhundert. Es legt in konzentrierter Klarheit und intellektueller Schärfe den buddhistischen Heilsweg dar und erlangte außerordentliche Popularität.

Nach einer Anfangszeit, die uns hauptsächlich in Legenden zugänglich ist, tritt der Buddhismus mit König Aschoka ins Licht der Geschichte. Ashokas Herrschaft wird von entscheidender Bedeutung für den Dharma des Buddha. Mit ihm konvertiert der Herrscher über das größte Reich der alten indischen Geschichte zum Buddhismus, und er nimmt die Lehre politisch in Anspruch. Auf der Grundlage der buddhistischen Laienethik verändert sich so der im Prinzip weltentsagende Glaube in eine potentiell weltgestaltende Ethik.

Unter Aschoka gelangte der Buddhismus auch nach Sri Lanka; Aschokas Sohn soll als Mönch Mahinda im königlichen Park nahe Anuradhapura das erste große Kloster, den Mahavira, gegründet haben. Der bisher mündlich überlieferte Kanon wurde auf Sri Lanka im ersten Jahrhundert v. Chr. als Pali-Kanon schriftlich fixiert. Die intellektuell-konservative Haltung der Theravadins hat eine erstaunliche Stabilität der Verhältnisse begünstigt. Der Mahavira war bis zur Ankunft der Portugiesen 1498 alleiniger Träger der religiösen Kultur des Landes.

6.2 Mahayana

Großer Buddha Gelassenheit strahlt der berühmte Große Buddha (Daibutsu) auf seinem Sockel vor dem Kotokuintempel in Kamakura aus. Die 1252 gegossene Bronzefigur ist über 11 Meter hoch und wiegt 93 Tonnen und gilt als die vollendetste Buddha-Statue Japans. Während des Kamakura-Schogunats (1185-1333) errang der Zen-Buddhismus in Japan die Vorherrschaft.SuperStock

Der Mahayana-Buddhismus entstand allmählich aus mehreren Entwicklungen und Elementen, die erst in ihrer Bündelung zum Paradigmenwechsel führten. Was Aschoka für den frühen Buddhismus bedeutete, war König Kanishka I. aus der Kuschan-Dynastie (2. Jahrhundert n. Chr.) für das Mahayana. Unter ihm soll 120 n. Chr. das vierte buddhistische Konzil in Gandhara oder Kaschmir stattgefunden haben.

Das Schrifttum des Mahayana unterscheidet sich deutlich von den Texten des Pali-Kanon. Die Sutras (Pali: Sutta) stellen dort relativ kurze Reden des Religionsstifters dar, die in der Lebensgeschichte des historischen Buddha verankert sind. Die Mahayana-Sutras hingegen sind monumentale Werke in Sanskrit, die vom transzendenten Buddha, dem Buddha der Zwischenebene der Dreikörperlehre, einer mythischen Schar von Wesen gepredigt werden. Es gibt eine Fülle von Mahayana-Sutras; sie sind zwischen dem 1. Jahrhundert v. Chr. und dem 5. bzw. 6. Jahrhundert n. Chr. entstanden; sie können in mehrere Gruppen eingeteilt werden.

Die Prajnaparamita-Literatur umfasst über 30 Werke. Zwei wichtige Texte, die vor allem in Ostasien große Bedeutung erlangt haben, sind das Diamant-Sutra und das Herz-Sutra (Prajnaparamita-Hridaya-Sutra). Das große Thema dieser Weisheitsliteratur ist die Leere aller Erscheinungen (Shunyata), eines der wichtigsten Themen des gesamten Mahayana. Es handelt sich vermutlich um Texte von Waldmönchen. Die Avatamsaka-Literatur (Avatamsaka-Sutra) ist größtenteils nur in chinesischen und tibetischen Übersetzungen erhalten. Das Lotos-Sutra (Saddharmapundarika-Sutra, Sutra des Lotos des guten Gesetzes) wurde einer der weitverbreitetsten buddhistischen Texte in Ostasien und der grundlegende Text für mehrere Schulen. Das Lankavatara-Sutra stellt eine tiefgründige, an Bildern reiche und die Zen-Tradition mitprägende Darlegung der buddhistischen Bewusstseinsphilosophie dar. Das Vimalakirtinirdesha-Sutra (Die Predigt des Vimalakirti) verdankt seine Popularität der Betonung der Gleichwertigkeit des Lebens der Laienanhänger mit dem Leben der Mönche. Vimalakirti, die Hauptfigur des Sutra, ist ein reicher Anhänger des Buddha, der mitten im weltlichen Leben steht und doch den Weg eines Bodhisattva geht. Das Sukhavati-vyuha-Sutra (Sutra des Landes der Glückseligkeit) preist den Glauben an Buddha Amitabha, der für diejenigen, die ihm vorbehaltlos vertrauen, das Reine Land bereitet hat, wo sie wiedergeboren und die Befreiung erlangen werden. Es gehört zu den Grundtexten der großen Schulen des Reinen Landes in China und Japan.

6.3 Buddhismus des Reinen Landes

Der Buddhismus der Reines-Land-Schule betont die Wichtigkeit des tiefen Vertrauens in die Kraft und Hilfe des Buddha Amitabha (japanisch: Amida). Er wird deshalb auch Glaubens-Buddhismus genannt. Die Praxis besteht vor allem im Rezitieren von Amitabhas Namen und im Visualisieren seines Paradieses. Als Glaubens-Buddhismus, der die Hoffnung auf bessere Zustände mit dem Vertrauen auf die Verlässlichkeit des Buddha verbindet, ist er in China und Japan besonders in Krisenzeiten eine der Hauptgestalten des Buddhismus überhaupt geworden.

6.4 Zen-Buddhismus

Der Zen-Buddhismus wurde der Legende nach von Bodhidharma, einem indischen Höhlen-Einsiedler, begründet. Im Zen geht es nicht um Sutren, Schriftgelehrsamkeit und philosophische Dialektik, sondern um die unmittelbare Erfahrung, die dann möglich wird, wenn das Bewusstsein durch Meditation von seinen eigenen Projektionen sowie Bild- und Begriffsinhalten vollkommen leer geworden ist. Charakteristisch ist die Weise, wie die Schule sich selbst auf den Buddha zurückführt. Die „besondere Überlieferung außerhalb der orthodoxen Lehre” begann demnach mit der berühmten Predigt des Buddha Shakyamuni auf dem Geierberg. Er soll damals, als eine große Schar von Jüngern sich um ihn versammelt hatte, um seine Darlegung des Dharma zu hören, nur schweigend eine Blüte in die Höhe gehalten haben. Einzig Kashyapa begriff und lächelte – angesichts der Geste des Meisters war er urplötzlich zur Erleuchtung gelangt und hatte damit die Essenz der Lehre des Buddha erfasst. Damit hatte die erste Übertragung der „wortlosen Lehre” des Zen von Herz-Geist zu Herz-Geist stattgefunden. Im Zen, das auch als die Schule des Buddha-Geistes bezeichnet wird, spielt diese plötzliche Erleuchtung eine herausragende Rolle.

6.5 Nichiren-Buddhismus

Der Nichiren-Buddhismus wurde 1253 vom Mönch Nichiren begründet. Es handelt sich um eine Schule rein japanischer Ausrichtung, mit stark nationalistischen Tendenzen, in der das Lotos-Sutra (Saddharmapundarika-Sutra; japanisch Hokekkyo) als „Krone aller Sutras” und als die Quelle aller Offenbarung und Wahrheit gilt.

6.6 Tibetischer Buddhismus

Der tibetische Buddhismus steht in der Tradition des Mahayana, hat aber eine Reihe von Besonderheiten, die dazu geführt haben, dass er nicht nur als weitere Schule oder Richtung, sondern – unter verschiedenen Bezeichnungen wie Vajrayana (Diamant-Fahrzeug), Tantrayana, Mantrayana oder Lamaismus, die jeweils ein Charakteristikum hervorheben – als eigenes Fahrzeug benannt wird. Es gibt einen eigenen tibetischen Kanon mit den beiden Teilen Kanjur und Tanjur. Ersterer besteht aus 108 Bänden und enthält die Ordensregeln sowie Sutras und Tantras; der Tanjur mit 225 Bänden beinhaltet Kommentare und verschiedene Abhandlungen.

Die Bezeichnung Tantrayana weist auf die tantrischen Elemente. Der tantrische Buddhismus entwickelte sich etwa seit dem 3. Jahrhundert n. Chr. in Indien und breitete sich später in China, Korea, Japan und eben in Tibet aus. Nach frühem Buddhismus und Mahayana gilt er als die dritte Drehung des Rades der Lehre. Das 7. und 8. Jahrhundert war die Blütezeit des Tantrismus an den buddhistischen Klosteruniversitäten Nordindiens, etwa in Nalanda. Der Tantrismus bezieht die gesamte Wirklichkeit in die religiöse Erfahrung ein. Er vertritt eine sakramentale Sicht der Wirklichkeit: Jede materielle, psychische und geistige Erscheinung kann demnach zum Symbol für die göttliche Wirklichkeit und somit zum Heilsmittel, zum Vehikel für die Erlangung der Buddhaschaft werden. Farben, Formen und Klänge, vor allem aber rituelle Vergegenwärtigungen höherer Bewusstseinszustände in Form von körperlich visualisierten Gottheiten spielen eine große Rolle. Letztere werden durch körperliche, verbale und mentale Symbole dargestellt, durch Formen (Mandalas), Gesten (Mudras) und Silben (Mantras). Diese tantrische Tradition wurde in Tibet eingeführt und verband sich dort mit den einheimischen schamanischen Praktiken und Kulten der vorbuddhistischen Bon-Religion. Während in der Philosophie alle tibetischen Schulen dem indischen Mahayana folgen, liegt das Besondere des tibetischen Buddhismus in der tantrischen Praxis. Die Einweihung in die tantrischen Rituale und in die Meditationspraxis erfolgt durch einen erfahrenen Guru, tibetisch Lama.

Neben den zahlreichen tantrischen Schriften stellen die wundersamen Lebensgeschichten der vollkommenen Meister, der Siddhas, von denen gewöhnlich 84 gezählt werden, eine weitere Literaturgattung dar. Als einer der bedeutendsten dieser Meister gilt Padmasambhava, der den tantrischen Buddhismus im 7. Jahrhundert nach Tibet brachte. Die Einführung des Buddhismus traf jedoch auf erhebliche Widerstände, und es kam zu einer massiven Verfolgung. Eine Wiederbelebung des Buddhismus, die so genannte zweite Verbreitung, setzte im 10. Jahrhundert ein. Damals entstanden die neuen Schulen oder Orden, die das Leben Tibets bis heute prägen. Die heute noch bestehenden vier großen Schulrichtungen sind die Nyingmapa, die Sakyapa, die Kagyüpa und die Gelugpa.

Eine Besonderheit des tibetischen Buddhismus, nach der er auch Lamaismus genannt wird, ist die Institution reinkarnierter Lamas. Der spirituelle Meister (Sanskrit Guru, tibetisch Lama) vermittelt nicht nur Wissen, sondern spirituelle Kraft. Bedeutende Lamas gelten als Inkarnationen berühmter Lamas aus der Vergangenheit: Auf diese Weise entstanden Inkarnationslinien bzw. -ketten, d. h. unmittelbar aufeinander folgende Inkarnationen, deren Träger als Oberhäupter von Schulen und Klöstern die geistliche und oft auch weltliche Macht ausübten. Am bekanntesten und politisch bedeutsamsten wurden die Dalai-Lamas aus der Gelugpa-Schule, die als Inkarnationen des Bodhisattva Avalokiteshvara betrachtet werden, der auch als Schutzpatron Tibets gilt. Wenn der Dalai-Lama im Westen als Gottkönig apostrophiert wird, so ist das zumindest missverständlich, da er im buddhistischen Verständnis nicht ein Gott ist, sondern die Verleiblichung der barmherzigen Bewusstseinskraft des einen universalen Buddha-Bewusstseins.

7 GEGENWART UND ZUKUNFT

7.1 Buddhismus im Westen

Im 19. Jahrhundert übte der Buddhismus als Alternative zu einer christlichen Religion und bürgerlichen Gesellschaft auf Intellektuelle in Europa und Amerika eine erhebliche Anziehungskraft aus. Dieses zunächst intellektuelle akademische Interesse am Buddhismus wurde von einer existentiell-meditativen Suche nach neuen Lebensformen abgelöst, die in der Begegnung mit japanischen Zen-Meistern und tibetischen Lamas Unterstützung fand. Das Ereignis, das dem Buddhismus in Amerika zum Durchbruch verhalf, war das Weltparlament der Religionen von 1893 in Chicago, auf dem die Buddhisten zahlreich vertreten waren. In den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts protestierte die so genannte Beat-Zen-Generation gegen die materialistische Kultur und das Spießertum der westlichen Welt. In den achtziger Jahren gründeten japanische Zen-Linien zahlreiche Zentren in Amerika und bildeten auch westliche Zen-Meister aus. Neben dem Zen ist der tibetische Buddhismus die zweite große buddhistische Tradition, die sich in Amerika institutionalisieren konnte. Als der 14. Dalai-Lama 1959 vor den chinesischen Invasoren ins indische Exil floh, folgten ihm viele Lamas, von denen einige sich in Amerika und Europa niederließen. In Deutschland kam es nach 1945 zu zahlreichen Neugründungen von buddhistischen Basisgruppen und Zentren, die sich 1955 zur Deutschen Buddhistischen Gesellschaft zusammenschlossen. Aus ihr wiederum ging 1958 die Deutsche Buddhistische Union als Dachverband hervor.

Seit den siebziger Jahren gibt es bewusste Bestrebungen, die buddhistische Bewegung den europäischen Gegebenheiten anzupassen; dazu gehören etwa die gleichwertige Bedeutung von Laien und Mönchen bzw. Nonnen, die Gleichberechtigung der Frauen, eine Rückbesinnung auf die ursprüngliche Lehre des Buddha Shakyamuni jenseits der kulturellen Besonderheiten in den verschiedenen asiatischen Formen sowie ein verstärktes soziales und politisches Engagement im Sinne des Bodhisattva-Ideals.

7.2 Engagierter Buddhismus

Zu Beginn des letzten Jahrhunderts entwickelten Laien und Mönche in Japan unter dem Stichwort eines buddhistischen Sozialismus ein soziales Engagement, das auf der Grundlage der buddhistischen Ethik auf die sozialen Verwerfungen der Modernisierung antworten sollte; in Thailand erregten die so genannten Entwicklungsmöche Aufmerksamkeit. Thich Nath Hanh, ein 1926 in Vietnam geborener Zen-Mönch, wurde zum Inspirator der Bewegung Engagierter Buddhisten, und 1989 wurde von Laien, Mönchen und Nonnen aus elf Ländern das Internationale Netzwerk Engagierter Buddhisten gegründet.

Die Synthese von buddhistischer Spiritualität und verantwortungsethischem Engagement sowie von buddhistischer Philosophie und westlicher Sozialethik gibt dem Buddhismus im Westen ein spezifisches Gepräge. Möglicherweise ist der Buddhismus damit weltweit in eine neue Phase seiner Entwicklung eingetreten, die vielleicht eine neue Drehung des Rades der Lehre bedeutet.

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