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analyse

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Beitrag von uschi3

11.02.2008 15:23:18

uschi3

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uschi3 hat das Thema eröffnet...

hallooo. kann mir jemand helfen. hatte vielleicht schon mal jemand den text diesseits der medien von hans magnus enzensberger?

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Beitrag von Lesimir

11.02.2008 15:34:35

Lesimir

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Aus dem Text hab ich glaube ich mal was analysiert, aber es wäre gut, wenn du ihn entweder ganz oder in googlesuchfähigen schnipseln (bzw einfach den passenden Link) beschreiben könntest...

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Beitrag von uschi3

11.02.2008 15:44:42

uschi3

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Themenstarter
uschi3 hat das Thema eröffnet...

hast du vllt icq, dann kann man besser schreiben?

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Beitrag von uschi3

11.02.2008 15:48:59

uschi3

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uschi3 hat das Thema eröffnet...

Ceci n'est pas une pipe. René Magritte, der Erkenntnistheoretiker unter den Malern, hat sich mit seinem berühmten Bild über alle diejenigen lustig gemacht, die die Abbildung einer Pfeife mit einer Pfeife verwechseln. Genützt hat es wenig. Die digitalen Evangelisten werden nicht müde zu behaupten, dass die neuen Medien die Unterscheidung zwischen Realität und Simulation hinfällig gemacht haben. Ein derartiger Grad von Weltfremdheit ist natürlich nur im Seminar, im Labor und im Science-Fiction-Film denkbar.

Dass sich diese negativen Simulationstheorien so großer Beliebtheit erfreuen, hat jedoch auch ganz handfeste und banale Gründe. Wie andere Berufe auch leiden Medienarbeiter an Betriebsblindheit. Sie drückt sich in ihrem Fall durch eine so weitgehende Selbstreferenz aus, dass ihnen der Blick auf die Außenwelt schwerfällt. Die Überschätzung der eigenen Rolle verleitet sie dazu, die Medienwelt mit der Realität zu verwechseln. Diese Selbsttäuschung entschädigt sie für die Flüchtigkeit ihrer Produktion und ist insofern für ihr Selbstverständnis unentbehrlich.

Das lässt sich schon am klassischen Journalismus zeigen. Die Tatsache, dass auch die beste Zeitung innerhalb von 24 Stunden zum Altpapier wird, ist eine narzisstische Kränkung, die durch Wichtigkeit kompensiert werden muss. Manche Redaktionskonferenzen gleichen daher Kabinettssitzungen, bei denen über den Aufmacher von morgen diskutiert wird, als hinge das Schicksal der Nation davon ab. Man hat oft den Eindruck, dass Journalisten bei ihrer Arbeit kaum einen Gedanken an ihre Leser wenden; worauf es ankommt, ist das Urteil ihrer Konkurrenten, einer winzigen Zielgruppe, von der aber ihre Karriere abhängt. Unter ähnlichen Realitätseinbußen leidet auch die Werbung. Die so genannten Kreativen möchten unbedingt als Künstler gelten. Art Directoren schielen nach Designer-Preisen. Ohne Rücksicht auf die Wirklichkeit hängen Reklameleute einem Jugendkult an, der ökonomisch unsinnig ist, weil Alterspyramide und Kaufkraftverteilung eine ganz andere Sprache sprechen. Ähnlich geht es in allen anderen Medien zu. Die Parole der l'art pour l'art findet hier ein spätes Echo in dem Prinzip le médium pour le médium.

Eine weitere Illusion, die fast alle Medienarbeiter hegen, ist der Glaube, dass ihnen die Leute glauben. Auch dieser fatale Irrtum verleitet zur Selbstüberschätzung. Gewiss hat es einmal ein Publikum gegeben, das für glaubwürdig hielt, was schwarz auf weiß zu lesen war. Aber diese Zeiten sind vorbei. Heutige Zuschauer, Leser, Konsumenten sind in dem Sinn hoffnungslos aufgeklärt, dass sie den Medien gegenüber die Wahrheitsfrage einfach ausklammern.

Daraus resultiert eine Skepsis, die unüberwindlich ist. So gut wie jeder Leser der "Bild"-Zeitung weiß, dass das Blatt kein Informations-, sondern ein Unterhaltungsmedium ist. So weit darin überhaupt etwas mitgeteilt wird, ist die Meldung gewöhnlich erfunden oder irrelevant. Das Gleiche gilt natürlich für die überwiegende Mehrzahl aller Fernsehprogramme. Werbung gilt sowieso auf den ersten Blick hin als Lüge.

Dass das Medienangebot, ungeachtet dieser Resistenz auf Seiten der Konsumenten, eifrig genutzt wird, verwirrt die Rezeptionsforschung. Das liegt daran, dass diese fast ausschließlich mit quantitativen Methoden arbeitet und deshalb über Wirkungen, die statistisch nicht fassbar sind, etwas Schlüssiges nicht zu sagen weiß. Führt der Konsum von Pornografie zu mehr Vergewaltigungen oder fungiert er im Gegenteil als Triebventil? Sind die Gewaltszenen, die das Fernsehen liebt, für die Jugendkriminalität verantwortlich zu machen oder nicht? Kein Wunder, dass die Antworten der Forscher äußerst widersprüchlich sind. Wenn die Simulationsthese wahr wäre, könnte man sich die Fragestellung ohnehin sparen. Der Mord im Krimi oder im Videospiel und der Mord vor der eigenen Haustür wären ein und dasselbe.

Auch wenn die Gotteshäuser leer sind und die Bauernhäuser sich in Ferienwohnungen verwandeln, spricht manches für den Rat, die Kirche im Dorf zu lassen. Medien spielen eine zentrale Rolle in der menschlichen Existenz, und ihre rasante Entwicklung führt zu Veränderungen, die niemand wirklich abschätzen kann. Medienpropheten, die sich und uns entweder die Apokalypse oder die Erlösung von allen Übeln weissagen, sollten wir jedoch der Lächerlichkeit preisgeben, die sie verdienen. Die Fähigkeit, eine Pfeife vom Bild einer Pfeife zu unterscheiden, ist weit verbreitet. Wer Cybersex mit Liebe verwechselt, ist reif für die Psychiatrie. Auf die Trägheit des Körpers ist Verlass. Das Zahnweh ist nicht virtuell. Wer hungert, wird von Simulationen nicht satt. Der eigene Tod ist kein Medienereignis. Doch, doch, es gibt ein Leben diesseits der digitalen Welt: das einzige, das wir haben.

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